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Onkel Fisch
Jessica Brandt
Jessica Brandt (Foto: SWR3)

Wie geht es weiter, wenn wir alle Energie sparen sollen? Im Sommer ist das ja noch leicht, aber was machen wir im Winter? Onkel Fisch macht sich in der neuen Comedy-Kolumne dazu Gedanken.

„Energie sparen!“ Hat unser eierlegender Wollmilchminister Robert Habeck gesagt. Das ist das Gebot der Stunde: „Jede eingesparte Kilowattstunde schadet Putin.“ Also Licht aus, Klamotten lüften statt waschen und Heizung runter. Gut, letzteres ist im Moment eher easy-peasy. 

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So gut, so einfach. Und dann füllt Deutschland noch die Gasspeicher bis zum Winter. Wir schauen gebannt auf die Prozentzahlen. Das ist beste Unterhaltung. Ein wenig wie in einem Hollywood-Film, wo der Hacker nervös dem Ladebalken zuschaut, während unten die Gegenspieler bereits das Gebäude betreten. Aufgeladen werden die Gastanks easy-peasy über Ägypten, Katar oder die USA. Und das ganz easy-peasy über Flüssiggasterminals, die es noch nicht gibt. Aber das ist halb so wild: Die dafür vorgesehenen Tankschiffe müssen ja auch erst noch gebaut werden.  

Okay, ganz so easy-peasy wird es wohl nicht, aber wir möchten daran glauben, dass die Lösung im Grunde einfach ist. So ist unsere Psyche gestrickt und Mutter Natur wird sich schon was dabei gedacht haben. 

Das weiß auch so ein ausgefuchster Politik-Profi wie Christian „ökonomische Vernunft“ Lindner, der ganz easy-peasy die Atomenergie wieder aufs Energiespielfeld stellt. Die war doch so gut und ist doch noch da. Flankiert wird der Mann mit dem Röntgenblick für die Eigenwerbung von der fleischgewordenen Unterkomplexität aus Bayern: Markus der Windradleugner Söder. Beide wissen, dass das nicht mal die Atomenergie produzierende Industrie will, ist ihm aber egal: Die Lösung Atomic-Supersonic klingt so easy-peasy. 

Und schon ist sie wieder auf allen Ebenen entbrannt, die heitere Diskussion um wertschöpfende Wirtschaftsinteressen gegen Klimaschutzwahnsinn. Erstmal weiter ordentlich Kohle verkohlen, Sicherheit geht vor und das Klima muss sich hinten anstellen.  

Die Regel lautet: Aufgeladenes Smartphone trumpft Eisbär. Und das kommt bei unserer Psyche rasend gut an, denn dann können wir das heavy-forever Thema „Klimaschutz“ mal schön beiseite legen. So Dinge, die 30 bis 100 Jahre in die Zukunft reichen, die überfordern die räumliche Fähigkeit unseres Gehirns, die ja schon bei IKEA an ihre Grenzen stößt. 

Was sollen wir auch machen, es gibt nur schwarz oder weiß, zwei Wahlmöglichkeiten, Ökonomie oder Ökologie. Zumindest wird man von den Absolventen des Instituts für Politisches Easy-Peasy-Simulieren immer wieder vor diese alternativlose Entscheidungsbehauptung gestellt. Und auch da gurrt uns unsere Psyche zu: „So ist es! Entweder oder, das ist einfach. Und mir deutlich lieber. Keine Sorge. Ich hab alle deine Gehirnwindungen befragt, tief in dir drin bist du immer noch ganz doll für die Rettung des Planeten. Wirklich. Wenn das halt mal’n Jahr warten muss, ist doch nicht so wild.“ 

Das Problem ist, dass das Problem bleibt und nicht durch ein anderes Problem ersetzt wird. Es ist leider nur ein weiteres Problem hinzugekommen. Und so sehr es unserer Psyche missfällt, es gibt keine easy-peasy Lösung. Das erinnert uns an die Worte, die der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe dereinst nicht in sein Reimbüchlein schrieb: 

So sehr es sich mir widersetzt die ganze Welt, sie ist komplex, doch soll mein Mühen nicht erlahmen, will das Komplexe stets umarmen.

ONKeL fISCH 

Adrian & Markus 

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