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Onkel Fisch
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Jessica Brandt
Jessica Brandt (Foto: SWR3)

Die Ferien in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben begonnen. Und was ist an den Flughäfen los? Chaos! Wieso man das auch mit Humor nehmen kann, verraten uns Onkel Fisch.

Für viele war es eine faustdicke Überraschung: Die Schulferien haben begonnen. Streng genommen ist DAS jetzt nicht die Überraschung, sondern dass man einen Urlaub buchen muss. Nicht „kann“, sondern MUSS.

In den Überschriften deutscher Qualitätsblätter konnte man es in Großbuchstaben lesen: „ENDLICH WIEDER URLAUB! ENDLICH! WIEDER! URLAUB!“ Denn wir alle waren zwei Jahre lang in strenger Isolationshaft von der strandreichen Außenwelt abgeschnitten. Lachende Gesundheitspolitiker ketteten uns an das heimische Netflix-Abo.

Und dann der zynische Vorschlag: „Warum nicht mal Urlaub auf Balkonien?!

Antwort: „Weil meine Wohnung keinen Balkon hat!

Und daher muss ein Urlaub gebucht werden, auch wenn man lieber zu Hause bleiben würde. Aber das wäre unsolidarisch gegenüber der Leidensgemeinschaft. So heuchelt man beim lokalen Internet-Pauschalreisedealer ein Mallorca-Interesse vor und macht sich auf den Weg zum Flieger in Richtung Sandburg und Sonnenbrand.

Man steht also um 3 Uhr morgens auf, um gegen 5 Uhr am Flughafen zu sein, damit die Zeit beim Check-In reicht, um dann 24 Stunden später umgebucht zu werden auf einen Flieger in Hamburg, der einen über Australien nach Malle fliegt. Und niemand hatte darauf hingewiesen, dass es für die Urlaubsanreise Extra-Urlaub zum Urlaub braucht.

Das Gepäck ist derweil in Kairo angekommen. Bis auf den schwarzen Koffer, der leider in Kapstadt vertauscht wurde. Was laut Fluggesellschaften daran liegt, dass alle Urlauber der Welt schwarze Koffer besitzen und man sie daher nur schwer voneinander unterscheiden kann. Das muss man verstehen: Trotz Digitalisierung kommt es selbst bei ausgefuchsten Logistik-Profis zu Verwechselungen, wenn das Gepäck nicht gefaxt wird.

Der Grund für das Chaos an den Flughäfen ist überraschend einfach: Zu wenig Personal. Es fehlen Leute. Am Check-In-Schalter fehlen Leute. Beim Sicherheitsdienst fehlen Leute. Und im Cockpit fehlen auch Leute. Und das ist sogar ein deutschlandweites Phänomen; überall fehlen Leute. Beispielsweise in der Pflege fehlen auch Leute. Bei der Bahn fehlen Leute. Und in der Gastronomie? Fehlen Leute! Beim Handwerk fehlen, richtig, Leute.

Das wirft die Frage auf: Wo zur Hölle sind die ganzen Leute? Weggezaubert? Aufgegessen? Sind Leute wie zweite Socken in der Waschmaschine; sie verschwinden auf unerklärliche Art und Weise? Oder haben sie alle einfach Corona? Also alle?! Oder sind sie im Urlaub? Gut, Letzteres ist eher unwahrscheinlich, zumindest wenn die Leute per Flugzeug dahin wollten.

Und wenn in diesen herrlichen Ferientagen die Leute hinter den Check-In-Schaltern mal nicht fehlen (VOR den Schaltern sind auf jeden Fall alle da), dann streiken sie. Weil es zu wenig Personal gibt.

Aber werfen wir einen Blick auf die Eingangsproblematik: Warum MÜSSEN wir Urlaub machen? „Zur Erholung!“ ruft der Chor, der von der täglichen Peitsche auf der Arbeitsgaleere gebeugten Vollzeit-Ruderer. Sonst ist der Rest des Jahres kaum zu bewältigen, nicht auszuhalten und unerträglich.

Jetzt trägt der Urlaub wegen Planung, Anreise und Corona-Infektion nur begrenzt zur Erholung bei. Sollte man hier nicht mal einen Perspektivwechsel wagen: Vielleicht wäre es eine gute Idee, am unerträglichen Rest etwas zu ändern? Irgendwas kann ja eigentlich nicht stimmen, wenn man ein Arbeitsjahr nur durchsteht, wenn man zwischendurch am überfüllten Flughafen in Panik mit Blick auf die Gefährdung von drei Wochen Power-Erholungs-Ferien-Ultrakonzentrat in kaltschweißendes Zittern verfällt.

ONKeL fISCH
Adrian & Markus

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