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Man kann gar nicht „nicht denken“ – auch wenn man’s noch so arg probiert. Denken ist ja auch positiv. Doch warum es auch Schattenseiten gibt, schlüsselt Tobias Mann auf.

Was Tobias Mann über das Denken denkt, könnt ihr euch hier anhören:

Denken wird überbewertet (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Khosro Rajabkordi)

Tobias Mann - Mann was fürn Chaos Denken wird überbewertet

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Führt man politische Diskussionen, schallt einem dieser Tage ab und an ein Satz entgegen: „Du Schlafschaf! Fang endlich an zu denken!“ Dieser Vorwurf geht allerdings von zwei falschen Prämissen aus. Der erste Fehler: Man kann gar nicht „nicht denken“ – auch wenn man’s noch so arg probiert. Und sehr viele Zeitgenossen probieren es äußerst intensiv, aber wenn man denkt: „Jetzt denke ich mal nix!“, denkt man trotzdem – und zwar „Jetzt denke ich mal nix!“ Selbst wenn man Farbe beim Trocknen zuschaut, denkt man noch: „Mmmm! Ich hätt’ gedacht, dass das schneller trocknet!“

Die Denk-Maschine läuft also immer – aber nicht immer gut. Damit kommen wir zum zweiten Fehler der eingangs erwähnten Aufforderung zum Denkbeginn: Sie geht davon aus, dass Denken an sich ein positiver Akt ist. Aber es wird ja Vieles gedacht, bei dem man hinterher denkt: „Mmm … naja!“ Beispiele? Bitteschön: „Wo könnten wir denn die WM veranstalten?“ – „Lass mich mal nachdenken … wie wär’s mit Katar?“ – „Was hilft gegen Amokläufe? Klar: Mehr Waffen!“ – „Sach ma … wer könnte denn unser Haupt-Gaslieferant werden?“ – „Du, der Putin hat doch genug!“ – „Komm wir machen ein Schnitzel für den Toaster!“ Tzzzzzz! „AUA!“

Darum ist es in der Regel sehr sinnvoll, nach dem Denken noch mal zu denken, also nachzudenken. Manchmal lohnt es sich sogar vorzudenken, damit man hinterher beim Nachdenken nicht denkt: „Was hab ich denn da gedacht?“ Es lohnt sich sogar, manches zu überdenken. Vieles wird hierzulande aber nur überdacht, wenn es ein Carport ist. Man kann aber – je nach Betonung – manches nicht nur überdenken, sondern auch ÜBERdenken - also sozusagen zerdenken. Meistens werden Dinge aber nicht ÜBERdacht, sondern UNTERdacht.

Das 9€ Ticket zum Beispiel: Im Grunde ne tolle Idee – bis man daran denkt, was die zwei größten Feinde von Bahn und ÖPNV sind: Fahrgäste und Wetter. Und beides kommt jetzt reichlich. Damit wird die gut gemeinte Aktion zum Stresstest für alle Beteiligten. Unterdacht wird das Ganze nur noch vom Tankrabatt, einem der wohl sinnlosesten Ideen seit Erfindung der Salami-Dauerwurst auf der Stromkabeltrommel. Und wenn Ihr Euch jetzt fragt: Was hat der sich bei dem Beitrag gedacht … also darüber muss ich noch mal nachdenken.

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