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Im Vorfeld sorgte Woody Allen für Aufregung. Der Meister hatte es geschafft, die Präsidenten-Gattin Carla Bruni vor die Kamera zu kriegen. Dann hieß es jedoch plötzlich, ihre Rolle sei rausgeschnitten worden. Also was jetzt?

Eines vorneweg: Carla Bruni ist zu sehen. Aber nur für ein paar Minuten. Sie verkörpert eine Fremdenführerin, die in einer Szene den Touristen Kunstwerke erklärt, in einer anderen übersetzt sie der amerikanischen Hauptfigur ein französisches Tagebuch. Die Szenen sind so kurz, dass sich da über ihr schauspielerisches Talent nichts sagen lässt. Ihr Sex-Appeal hält sich allerdings stark in Grenzen. Sie wirkt bestenfalls unscheinbar. Ganz im Gegensatz zu diesem Film: Der ist richtig toll, eines der schönsten Allen-Werke seit Langem.

Gallery Midnight in Paris; Foto: Concorde Filmverleih

Gil (Owen Wilson) verliebt sich bei seiner 20er-Jahre-Zeitreise in Picassos Muse Adriana.

Concorde Filmverleih

Paris je t'aime

Es ist eine charmante, beschwingte und herrliche Liebeserklärung an die Weltstadt Paris. Ein amerikanischer Drehbuchautor, der an seinem ersten Roman arbeitet, besucht die Stadt mit seiner ultrazickigen High-Snobiety-Freundin. Vergeblich schwärmt er ihr von den großen Autoren und Künstlern vor, die hier vor vielen Jahren gelebt und geliebt haben. Dann schlendert er eines Nachts durch die Straßen und wird in die Welt der 20er-Jahre katapultiert. Bald plauscht er gemütlich mit F. Scott Fitzgerald, Salvador Dalì und Ernest Hemingway. Das ist unglaublich schön und spaßig anzugucken. Ein Film mit nostalgischem Flair und frechen Wortwitzen.

Wie der junge Woody Allen

Owen Wilson spielt die Rolle des intellektuellen Stadtneurotikers, genau die Rolle, die Woody selbst früher immer verkörperte. Jetzt sitzt er bevorzugt auf dem Regiestuhl. Was er aus Owen Wilson herausgeholt hat – erstaunlich. So gut war der noch nie. Ein wunderschöner Film darüber, ob es die guten alten Zeiten wirklich gegeben hat, oder wir sie uns nur als solche vorstellen. Traumhaft und absolut sehenswert!

Autor
Jo Müller
Autor
SWR3.online