Stand:

Kann man mit einer Leiche sprechen? Das hoffen zumindest die Schweizer Ermittler im neuen Tatort. Denn unter Verdacht stehen die drei Väter der Kinder des Opfers. Aber führt der spirituelle Ansatz wirklich zum Täter?

Die Story

„Zwischen zwei Welten“ spielt in Luzern im Esoterik-Millieu. Donna Müller liegt mit gebrochenem Genick unter einer Eisenbahnbrücke, und ihre drei Kinder sitzen einsam und verlassen in der mit Traumfängern gespickten Wohnung. Und das, obwohl Mutter Donna die drei kleinen doch per Brief ans Universum dem Schutz der höheren Mächte unterstellt hat!

Tatort - Zwischen zwei Welten; Foto: daserste.de

Der neue Fall konfrontiert die Kommisare Ritschard und Flückiger mit einer getöteten alleinerziehenden Mutter.

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Drei Kinder, drei Väter, eine Mutter

Die Kommissare Reto Flückiger und Liz Ritschard dürfen sich an einem Fall abarbeiten, in dem so gut wie gar kein Klischee ausgelassen wird. Die drei Kinder von Donna stammen von drei Vätern: einer ist ein bulliger Kumpeltyp, der nächste ein smarter Agentur-Yuppie, der dritte ein triefäugiger Guru mit öliger Schmeichelstimme.

Tatort - Zwischen zwei Welten; Foto: daserste.de

Auch der Vater der ältesten Tochter macht sich verdächtig.

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Liz Ritschard ist sofort klar, der Mörder muss einer von diesen miesen Chauvis sein. Die Kommissarin ist nämlich eine so grundlegend überzeugte Feministin, dass Täter grundsätzlich nur Männer sein können. Und das treibt sie soweit, dass ihrem Kollegen irgendwann der Kragen platzt und er sie müde anherrscht.

Nervenprobe für Tatort-Fans

Für den durchschnittlichen Zuschauer kommt das zu spät. Dem ist die Hutschnur längst gerissen, weil das hektische Herum-Ermitteln in alle nur ausreichend klischeebehafteten Richtungen nach kürzester Zeit nur noch nervt.

Und die ganz hartgesottenen Tatort-Gucker, also die, die wirklich alle Schrecken der Fernsehwelt kennen und aushalten, die steigen spätestens dann aus, wenn das Ermittlerteam in seiner Not selbst zum Übernatürlichen greift. Da gibt es nämlich – wie könnte es auch anders sein – einen jungen, gutaussehenden Geistheiler, und der kann – hält man es für möglich – sogar mit den Toten kommunizieren.

Fazit

Irgendwann resigniert man einfach, und schaut sich den Käse zu Ende an, lässt die ellenlangen Füllsel-Szenen über sich ergehen, lässt die Seelenblähungen der Ermittler kampflos an sich vorbei wehen und hofft auf das blaue Schlussbild mit dem weißen Fadenkreuz.

Eigentlich wollte ich diesem Tatort einen von fünf  Elchen geben, aber mir fällt beim besten Willen nicht ein, womit ich diesen Punkt rechtfertigen könnte. „Zwischen zwei Welten“: ein glatter Durchfaller.