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Der Münchner Kardinal Marx hatte Papst Franziskus um die Entbindung von seinem Bischofsamt gebeten. Grund sind die Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, für die Marx Verantwortung übernehmen wollte. Doch der Papst sagt: Marx soll weitermachen. Opferverbände sind empört.

Papst Franziskus hat den Rücktritt von Erzbischof Kardinal Reinhard Marx abgelehnt. In einem Brief an Marx schrieb der Papst:Und genau das ist meine Antwort, lieber Bruder. Mach weiter, so wie Du es vorschlägst, aber als Erzbischof von München und Freising.

Marx will nicht zur Tagesordnung übergehen

Marx betonte in einer ersten Reaktion, dass er persönlich Verantwortung tragen müsse und auch eine „institutionelle Verantwortung“ habe. Er könne nicht zur Tagesordnung übergehen und sei überrascht von der Entscheidung des Papstes.

Ich empfinde diese Entscheidung des Papstes als große Herausforderung. Danach einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, kann nicht der Weg für mich und auch nicht für das Erzbistum sein.


Opfer fühlen sich an der Nase herumgeführt

Die Initiative der Missbrauchsopfer im Bistum Trier, MissBit, reagierte empört auf die Entscheidung des Papstes, dass Marx im Amt bleiben soll. Es sei nicht klar, was der Papst mit dieser Entscheidung wolle, sagte der Sprecher der Initiative Hermann Schell.

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Marx hatte in seinem Rücktrittsgesuch von viel persönlichem Versagen und administrativen Fehlern gesprochen, aber nicht gesagt, was er genau getan hatte. In seiner Zeit als Bischof von Trier wurden mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester bekannt, die Marx nach Vorwürfen von MissBit mit viel Nachsicht für die Täter behandelt haben soll.

Marx schrieb dem Papst einen Brief und bat um Entlassung

Rückblick: Marx hatte am 21. Mai einen Brief an Papst Franziskus geschrieben in dem er um seine Entlassung bat. Am 4. Juni hatte der Vatikan diesen Brief veröffentlicht. In dem Brief spricht Marx davon, dass die katholische Kirche an einem „toten Punkt“ angekommen sei. Er übernehme nun Verantwortung.

Dem Erzbischof gehe es darum, „Mitverantwortung zu tragen für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten“.

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Lange Zeit war es ein absolutes Tabu-Thema: sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche. Seit rund zehn Jahren wird versucht, das Thema aufzuarbeiten, Schuldige zu finden und Opfer zu entschädigen. Jetzt wurde ein erstes unabhängiges Gutachten in Deutschland öffentlich gemacht.  mehr...

Die Untersuchungen und Gutachten der zurückliegenden zehn Jahre deuten für Marx auf „viel persönliches Versagen und administrative Fehler“ hin.

Wollte Marx ein Zeichen setzen?

Ebenso erklärte Marx, dass für ihn nicht das Amt im Vordergrund stehe, „sondern der Auftrag des Evangeliums.

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Kardinal Marx: "Verantwortung übernehmen"

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Mit seinem Amtsverzicht wolle er ein Zeichen für die „Erneuerung der Kirche“ setzen. Er wolle Verantwortung für den Missbrauchsskandal übernehmen. Er sei weder „amtsmüde“ noch „demotiviert“.

Respekt aus den eigenen Reihen für den Rücktritt

Deutsche Bischöfe reagieren unterschiedlich auf die Rücktrittspläne. Der Kölner Kardinal Rainer Woelki äußerte großen Respekt vor Marx´ Entscheidung, wollte sich dem aber offenbar nicht anschließen. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte, alle Bischöfe müssten sich mit dem Thema Verantwortung auseinandersetzen. Er wolle auf seinem Posten bleiben und die Missbrauchsbekämpfung aktiv gestalten.

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