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Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Die Übergriffe in Chemnitz haben viele Künstler dazu animiert, sich gegen rechte Gewalt und Rassismus auszusprechen. Unter dem Motto Wir sind mehr spielten Bands am Montagabend ein Gratiskonzert.

Campino in Chemnitz auf der Bühne; Foto: dpa/picture-alliance
dpa/picture-alliance

Rund 65.000 Menschen strömten nach Angaben der Stadtverwaltung auf den Chemnitzer Johannisplatz, um beim Konzert Wir sind mehr dabei zu sein. Auch die angrenzenden Nebenstraßen seien dicht gefüllt, berichteten Reporter des MDR. Auf Plakaten standen Sprüche wie „Menschenrechte statt rechte Menschen“ und „Wir alle wollen leben ohne Angst und Hass“.

Die Chemnitzer Band Kraftklub hatte das Konzert gegen Rechtsextremismus initiiert. Mit dabei waren: Die Toten Hosen, Marteria & Casper, K.I.Z, Feine Sahne Fischfilet, Trettmann und Nura (SXTN). Als Überraschungsgäste kamen Rod von den Ärzten und Arnim von den Beatsteaks auf die Bühne.

Dirk Scherer; Foto: SWR3

06:11 Uhr So war das #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz

Dauer

Schweigeminute zu Beginn

Das Konzert begann mit einer Schweigeminute zu Ehren des bei einer Messerattacke in Chemnitz getöteten Daniel H.. Die Künstler kündigten auf der Bühne an, dass Spenden gesammelt werden. Diese sollen zur Hälfte der Familie des verstorbenen Daniel H. zugute kommen und zur anderen Hälfte an Initiativen gehen, die sich gegen Rassismus in Sachsen engagieren.

Kritiker hatten im Vorhinein bemängelt, dass der Tod des jungen Mannes bei dem Konzert zu wenig im Fokus sei. Kritisiert wurde außerdem, dass auch die Band Feine Sahne Fischfilet auftrat: Eine Band, die vom Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern zeitweise als linksextrem eingestuft wurde.

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Lage in Chemnitz ruhig

Trotz des großen Andrangs blieb es in der Stadt weitgehend ruhig. Die Versammlungsbehörde hatte weitere Kundgebungen und Spontanversammlungen in der Innenstadt untersagt. Lediglich am Tatort der Messerstecherei hätte es kleinere Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppen gegeben. Die Polizei habe eingegriffen, berichtet der MDR.

„You'll Never Walk Alone“ zum Konzertende

Die Toten Hosen beendeten als letzte Band das Konzert. Zum Abschluss sangen alle gemeinsam den Song You'll Never Walk Alone.

Campino: „Es geht um politischen Anstand“

Bei der Pressekonferenz vor dem Konzert hat Campino von den Toten Hosen erklärt, worum es ihm bei diesem politischen Konzert geht:

Für uns gibt es zwei klare Kriterien, wann dieser Tag ein Erfolg ist. Wir wollen natürlich eine riesen Zahl von Menschen haben, die kommen. Und: Es muss gewaltfrei bleiben. Es darf keine Schaufensterscheibe zu Bruch gehen. Wir wollen es der Gegenseite nicht so einfach machen, uns dann wieder als Linkschaoten darzustellen.

Campino von Die Toten Hosen

Reaktionen aufs Konzert im Netz

Nicht nur live vor Ort waren tausende Menschen dabei, auch im Netz per Livestream. Viele posten, dass sie die Aktion unterstützen. Häufiges Thema auch: Die Gesellschaft muss aktiv werden, nicht nur heute, sondern auch langfristig.

Im Netz waren aber auch kritische Postings zu lesen. Zum einen ging es in Kommentaren – auch unter unseren Facebook-Posts – darum, dass die Opfer bei so einer Aktion zu wenig berücksichtig würden. Außerdem ging es um die Texte einiger Bands, die beim Konzert dabei waren, wie etwa K.I.Z. oder Feine Sahne Fischfilet.

Was bewirken politische Konzerte?

Einmal auf ein Konzert gehen, Haltung zeigen und damit etwas bewirken. Das ist die Idee hinter politischen Konzerten wie dem in Chemnitz. Aber was können solche Konzerte tatsächlich bewirken und machen wir es uns damit zu einfach? Diese Fragen waren Thema zu Beginn des Konzerts in Chemnitz, im SWR3-Topthema.

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Kira Urschinger
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SWR3