Autor
Kira Urschinger
Kira Urschinger; Foto: SWR3 / Nadine Luft
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Fields Of Gold, Brand New Day, Englishman In New York – Sting ist Legende, fast jeder kennt seine Songs, seine Texte und das Gesicht mit den kantigen Wangenknochen unter den blauen Augen. Im exklusiven SWR3-Interview erzählt er, warum Pessimismus nichts bringt und wieso es ihm so leicht gefallen ist, für sein neues Album seine erfolgreichsten Songs neu aufzunehmen.

Sting zu Besuch bei SWR3

Er gibt zu, dass er ein bisschen unter dem Jetlag leidet, als er bei uns ankommt. Er ist gerade viel unterwegs, am Vortrag ist er angereist, war abends noch in einem Pub und hat Fußball geschaut. Irgendein Spiel, das für ihn vermutlich gar nicht so spannend war, denn eigentlich ist er Newcastle-United-Fan. Da hatte er keine Wahl: Wenn man dort geboren ist, dann unterstützt man den Heimatverein, egal wie es gerade läuft, erklärt er. Die erste Gemeinsamkeit mit unserem Musikredakteur Matthias Kugler, der Sting zum Interview getroffen hat. Matthias ist nämlich Stuttgart-Fan qua Geburt – auch nicht immer einfach. „Du verstehst das Problem“, lacht Sting. Da sind sich offenbar zwei sehr einig.

Im SWR3-Interview erinnert sich der Singer-Songwriter, dass er lange nicht mehr hier war: Vor zehn Jahren hat Sting das letzte Mal in Baden-Baden gespielt. Auch seine Tochter Eliot war schon da, ist 2011 beim SWR3 New Pop Festival mit ihrer Band I Blame Coco aufgetreten. Er freut sich, wieder in der Stadt zu sein, sagt er. Und kurz bleiben wir noch beim Thema Familie, denn Sting ist gerade zum siebten Mal Großvater geworden – da kann man nur gratulieren.

„Optimismus ist eine wichtige Strategie im Leben“

Mit all der Lebenserfahrung wirkt Sting im Interview sehr entspannt und angekommen. Der Jetlag ist sofort vergessen. Er scheint, als habe er viele Gedankengänge schon einmal gehabt, sie für sich seziert und nun eine Antwort parat. Und dabei geht es nicht ausschließlich um Musik, es ist ihm offenbar auch ein Anliegen, über die Probleme der Welt zu sprechen – und darüber, wie wir sie als Gesellschaft bewältigen können.

Optimismus ist eine wichtige Strategie im Leben, auch wenn es schwierig ist, sie zu pflegen bei dem, was gerade in der Welt passiert. Wir sehen gerade sehr existenzielle Krisen, den Klimawandel zum Beispiel. Aber wir müssen optimistisch bleiben, um Dinge zu ändern. Es bringt nichts, pessimistisch zu sein. Damit wirst du nur versagen. Ich denke, wir sollten optimistisch bleiben. Wir können diese Probleme bewältigen, wenn wir sie JETZT angehen. Wir können es nicht auf morgen verschieben.

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Ob er das selbst immer so hinkriegt mit dem Optimismus, fragt Matthias. Nein, natürlich nicht, lacht Sting. Aber er denkt, es sei eine wichtige Strategie, um das Leben zu meistern: „Es ist ein ständiges Nachnavigieren.“

„Freiheit ist für manche Leute wahrscheinlich die Hölle“

Sting begeistert im Gespräch mit unserem Musikredakteur mit vielen ernsthaften Gedanken – als sei es ganz selbstverständlich, mal so eben auf eine Interview-Frage eine gut überlegte, reflektierte Antwort zu geben. So erklärt Sting auch, was Freiheit für ihn bedeutet: „Freiheit ist ein schwieriges Konzept. Freiheit ist für manche Leute wahrscheinlich die Hölle.“ Er lacht, macht eine kurze Pause. „Und manchen Menschen bedeutet sie alles.“ Für ihn als Künstler habe die Freiheit eine spezielle und sehr wichtige Bedeutung:

Ich persönlich mag es, mich künstlerisch frei zu fühlen. Wo die einzige Grenze meine Vorstellungskraft ist. Das ist die wichtigste Freiheit, die ich habe – zu tun, was immer mich fasziniert. Ich werde von meiner Neugier getrieben, von meiner Leidenschaft. Ich werde geleitet von meinem Bedürfnis nach Neuem, nach Überraschung, Aufregung. Das hilft einem als Künstler.


My Songs – neues Album, alte Songs

Für sein neues Album, das am 24. Mai erschienen ist, hat Sting seine größten Songs überarbeitet und neu aufgenommen. My Songs, heißt das Best-Of-Album. Darauf ist unter anderem der Erfolgssong Fields Of Gold, auch einer der Lieblingssongs unseres Musikredakteurs Matthias Kugler. Sting erzählt, wie der Song entstanden ist, inspiriert von einem Haus in England, in dem er gelebt hat – eigentlich ganz einfach: „Ich war umgeben von Feldern, die absolut golden waren, wie ein goldenes Meer.“ Und da war sie, die Idee zu einem Song, bei dem Musikfans heute wie damals die Radios lauter drehen und vielleicht ein bisschen melancholisch aus dem Fenster auf die vorbeiziehende Landschaft blicken – nur als Beifahrer natürlich.

Ebenfalls auf dem neuen Sting-Album: Brand New Day, Desert Rose und Englishman In New York. Er selbst kam ja auch als Brite nach New York – so richtig Heimweh hatte er aber nicht:

Ich bin immer viel gereist. Von Land zu Land. Von Stadt zu Stadt. Ich mag mein Zuhause. Es ist ein bisschen wie ein Ort, um den ich – wie auf einem Orbit – herumkreise. Wenn ich kein Zuhause hätte, hätte ich das Gefühl, zu schleudern. Ich bin verwurzelt, wo ich herkomme. Aber ich mag das Reisen auch gerne. Ich brauche beides.

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Für das neue musikalische Werk begibt sich Sting nun für seine Fans auf eine andere Reise: einmal zurück und quer durch seine eigene Musikgeschichte. Auf die Frage, wie er die Songs ausgewählt hat, die es auf dieses Best-Of-Album geschafft haben, sagt Sting im SWR3-Interview:

Bei dem ganzen Projekt ging es eigentlich darum, Spaß zu haben. Ich hab beschlossen, die alten Songs nochmal genau anzugucken, wie sie aufgenommen wurden. Und vielleicht konnte ich sie ein bisschen anders machen. Weil ich heute natürlich ein anderer Sänger bin, eine andere Stimme habe – im Vergleich dazu, als ich jünger war. Nicht besser, aber anders.

„Es geht nicht um Qualität. Es geht um Geschichte.“

Tatsächlich klingen sie ein bisschen umstrukturiert und modernisiert, haben alle einen zeitgenössischen Fokus. Diesen Vergleich sollen die Menschen haben, wenn sie die Musik hören, erklärt Sting. Er wollte, dass die Leute die Songs bereits kennen, im Ohr haben und die Unterschiede wahrnehmen – dadurch, wie sich Sting als Musiker verändert hat, aber auch die Aufnahmetechnik, der Sound, die Musik an sich. Da lag es natürlich nahe, die erfolgreichsten und bekanntesten Stücke zu wählen.

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Ich glaube nicht, dass ein aufgenommener Song ein heiliges Relikt ist. Es ist kein Museumsstück. Ein Song ist ein lebender, atmender Organismus und der braucht von Zeit zu Zeit mal frische Luft.

Es ginge ihm dabei nicht darum, ob die alten Songs besser seien als die neuen oder umgekehrt:

Es geht nicht um Qualität. Es geht um Geschichte.

Fans dürften sich außerdem auch über die längere Version des Albums My Songs freuen, auf der es zusätzlich noch Live-Songs gibt – beispielsweise von Roxanne und Next To You. Enthalten sind außerdem auch Song-by-Song Liner Notes, die persönlich von Sting verfasst wurden. Er selbst bezeichnet das Album als eine Zusammenfassung seines Lebens. Die Songs sind aber nicht chronologisch angeordnet, fällt unserem Musikredakteur auf.

Die Erklärung: Für Sting war es wichtiger, die Songs gut miteinander zu arrangieren, die Stimmungen abzuwechseln. Es ging weniger um Jahreszahlen als darum, insgesamt ein schönes Hörerlebnis zu schaffen. Er vergleicht das neue Album mit einem Film – der kann ja auch gerade dadurch spannend werden, dass er in unterschiedlichen Zeiten oder mit Zeitsprüngen erzählt wird.

Es war eigentlich sehr einfach, das zu machen. Die Songs funktionieren immer noch. Sie klingen nicht, als wären sie 20, 30 Jahre alt. Sie klingen nach JETZT. Das macht mich glücklich.

Kein Trip ins Weltall

Stellt sich die Frage, welche Pläne und Träume jemand wie Sting noch hat. Ins All fliegen will er jedenfalls nicht so richtig:

Ich würde schon gerne mal ins Weltall. Aber meinen Körper in so eine kleine Kapsel zu quetschen, wie eine fliegende Bombe – das ist nicht meine Vorstellung von Spaß. Ich wäre gerne oben, aber ich will nicht unbedingt den Weg da hoch machen. Außerdem ist es teuer und ich bin nicht sicher, wie gut das für den Planeten ist.

Tatsächlich ist er auch glücklich mit seinem Job, sagt Sting. Er empfinde das als privilegiert, für Menschen zu singen, sie zu unterhalten. „Ich kann mir kein besseres Leben vorstellen.“ Wozu also ins Weltall fliegen, wenn hier unten doch auch noch viel zu tun ist?

Sting: Das SWR3-Interview zum Nachhören

SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

Interview mit Sting Teil 1: Sting über das neue Album "My Songs"

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SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

Interview mit Sting Teil 2: Sting über sein spannendes Leben

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SWR3-Audio: Beitrag anhören; Foto: SWR3.de

Interview mit Sting Teil 3: Sting überrascht – hier sind die "Outtakes"

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Einer der größten Rockstars überhaupt

Stings bürgerlicher Name ist Gordon Matthew Thomas Sumner. Er wurde am 2. Oktober 1951 in Wallsend, England, geboren. Mit der weltbekannten New-Wave-Rockband The Police wurde er zu einem der größten Rockstars unserer Zeit. Ab 1978 hatte die Band mehrere Alben an an der Spitze der Charts, in den 80igern gewannen sie sechs Grammys. Das letzte gemeinsame Album erschien 1983, Synchronicity. The Police kamen Mitte der 80iger noch einmal zusammen, um den Song Don’t Stand So Close To Me neu aufzunehmen. 1992 spielten sie noch einmal bei Stings Hochzeit mit Trudie Styler.

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Jahre später versöhnten sich die zerstrittenen Mitglieder der Band, es gab noch eine Welttournee, die sie bei den Grammy Awards 2007 ankündigten.

Neben der Karriere als Musiker hat Sting auch als Schauspieler gearbeitet. Er wirkte beispielsweise in Guy Richies Komödie Bube, Dame, König, Gras mit und spielte einen Kneipenwirt. Für Fans absoluter Kult: Der Auftritt von 1985 mit einer Nebenrolle in Dune – der Wüstenplanet. Trotz eher kleiner Rolle schaffte es Sting hier auf das Filmplakat. Und auch in Fernsehserien war er zu sehen: Er hatte Gastauftritte unter anderem in Die Simpsons, Ally McBeal und Little Brain.

Lieblingszitate von Sting

Sting hat im Laufe seiner Karriere viele Interviews gegeben. Da sind wunderbare Zitate rausgekommen von einem Menschen, der offenbar vieles kann: lustig sein, über sich selbst lachen, Musik bildreich vermitteln und auch ernsthafte Themen ansprechen.

Yoga hilft einem, länger und besser Sex zu haben. Ich kann das schlecht erklären, aber gut vormachen.

Wer glaubt, dass Musik immer gut sei, ist naiv. Militärmusik ist dazu gedacht, Leute vom Denken abzuhalten – ba-ba-marsch-marsch-töten-töten.

Man muss die Leute auch mit Schwierigem konfrontieren. Das ist wie der erste Schluck Campari oder Kaffee – zuerst bitter, aber dann beginnt man, es zu lieben.

Es gibt keine Religion – außer Sex und Musik.

Wenn ich musiziere, ist es wie eine Art Gebet. Ich danke für diese Gabe.

Ich habe meinen sechs Kindern gesagt, es gäbe nichts für sie zu erben. Ich würde vor meinem Tod alles Geld ausgeben. Sie sollen lernen, mehr zu sein als reiche Erben. Ich will keine Paris Hiltons heranziehen.