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Bon Jovi bleiben sich auf „Have A Nice Day“ ihrem Sound treu. Aber gehört das Album zu den besseren der langen Bandgeschichte? SWR3-Musikredakteur Thomas Müller hat so seine Zweifel: zu wenig gute Melodien, zu wenig Abwechslung.

Jon Bon Jovi und Richie Sambora weichen keinen Zentimeter von der eingeschlagenen Richtung ab: „Rock’n’Roll Forever“ lautet das Motto der Band: „Ich hatte schon längere Zeit geplant, ein wirklich umwerfend dichtes und lautes Rock’n’Roll-Album zu machen. Ich wollte die Quintessenz dieser Band einfangen, es sollte alles so wie auf der Bühne sein, denn da sind wir am besten. Dahin sollte das Ding dieses Mal gehen. Ich wollte wirklich auch Aggressionen loswerden, denn ich hatte das Gefühl, dass das jetzt mal angebracht und greifbar nahe war,“ erzählt der Lead-Gitarrist. Mit Wut im Bauch ging die Rockband aus New Jersey ins Studio. Vor der letzten amerikanischen Präsidentschaftswahl unterstützten sie den demokratischen Kandidaten John Kerry – vergeblich. Das agressive Titelstück „Have A Nice Day“ ist deswegen auch eine zynische Reaktion auf das Wahlergebnis.

Ein Song für Bob Dylan

Bon Jovi 1; Foto: SWR3.de

Bon Jovi

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Die meisten Songs der neuen CD sind energiegeladene Rocker im typischen Sound, aber mit „Welcome To Wherever You Are“ haben Bon Jovi natürlich auch wieder eine hymnische Rock-Ballade für die Wunderkerzen-Fraktion am Start. Mit am schönsten: „Bells Of Freedom“, die Bon Jovi Variante des Dylan-Klassikers „Chimes Of Freedom“. Denkt er an seine Helden, wird der Frontmann leicht sentimental. Er komponierte für seine Vorbilder den Song „Last Man Standing“: „Als Johnny Cash starb, da nahm ich meine Gitarre in die Hand und hatte diese Idee, dass Bob Dylan der - last man standing -, der letzte Verbleibende, war. Der letzte der wirklichen Götter. Ich habe bei dem Song also an Dylan, Cash, Lennon und Elvis gedacht.“ Doch musikalisch lässt sich der Titel mit den Idolen nur schwer in Verbindung bringen, dazu ist er zu sehr im Bon-Jovi-Stil angelegt.

Eins der schwächeren Bon-Jovi-Alben

Bon Jovi 2; Foto: SWR3.de

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Am klassischen Sound der Band änderte auch der Grammy-dekorierte Produzent John Shanks nichts. Aber er war maßgeblich am Album beteiligt: „Wir haben die Songs gemeinsam geschrieben und sie direkt vor Ort mit einem Drum-Computer aufgenommen: er und Richie an zwei Gitarren, ohne Schlagzeug, ohne Bass, nur ich habe noch meine Gesangs-Parts beigesteuert. Das war ein ganz neues Arbeiten, ein unglaubliches Erlebnis – es gab keine Grenzen,“ begeistert sich der Rock-Sänger. Diese Begeisterung lässt sich kaum teilen. Denn für mich gehört die neue CD eher zu den schwächeren Alben der Band. Zu wenig stilistisch differenziert, mit nur wenigen guten Melodien kommt da Langeweile auf.

„Have A Nice Day“ in drei Varianten

Die neue Produktion wird gleich in drei Versionen angeboten: für den schmalen Geldbeutel als schlichte CD-Variante (inklusive Booklet mit Songtexten), in der Deluxe-Ausgabe mit fünf zusätzlichen Live-Titeln und für den Sound-Freak als Dual-Disc mit einem 5.1-Mix des gesamten Albums.