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So sanft wie auf ihrem neuen Album „Around The Sun“ klangen R.E.M. schon lange nicht mehr. In ihre soften Melodien verpackt die Band auch noch ihre politischen Botschaften, die sich gegen eine Wiederwahl von Präsident Bush richten.

Dass sie sich politisch engagieren, ist keine Neuigkeit. Doch die Wahl des nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten und damit die politische Weichenstellung für die nächsten Jahre ist R.E.M. so wichtig, dass sie ihre eigene US-Tour verschieben, um an der „Vote For Change“ Konzerttour teilnehmen zu können. „Wir geraten in große Schwierigkeiten, wenn wir die Bush-Crew erneut wählen“, ist sich Mike Mills mit seinen Band-Kollegen einig und Peter Buck ergänzt: „Der jetzige Präsident ist ein einziges Desaster. Wir bewegen uns mit großen Schritten rückwärts.“ Und Michael Stipes Kommentar: „Als Amerikaner in der jetzigen Zeit fühle ich mich wie der wütendste Pazifist der Welt, aber ich weiß, dass ich nicht allein bin.“ Auf der neuen CD „Around The Sun“ verarbeiten R.E.M ihre Gedanken und beziehen in den Texten direkt Stellung. Das sehr eindringlich arrangierte „Final Straw“ setzt sich mit dem Irak-Krieg auseinander: „Now I don't believe and I never did that two wrongs make a right. if the world were filled with the likes of you then I'm putting up a fight. I'm putting up a fight. Putting up a fight. Make it right. Make it right.”

So sanft klangen R.E.M. schon lange nicht mehr

R.E.M. gelingt es wieder auf faszinierende Weise anspruchsvolle Lyrik mit eingängigen Harmonien zu kombinieren. Die Band kanalisiert ihren Zorn auf die amerikanischen Machthaber („der eigentliche Strippenzieher hinter Bush ist Dick Cheney. Er bündelt die Interessen der amerikanischen Energiewirtschaft“ – so der Vorwurf von Mike Mills) nicht in wütende Rock-Nummern, sondern in hochmelodische Pop-Songs. So sanft wie auf der neuen CD „Around The Sun“ klangen R.E.M. schon lange nicht mehr. Die melancholische Ballade und erste Single „Leaving New York“ ist typisch für den Sound des gesamten Albums. Selbst wenn wie in „Electron Blue“ das Arrangement synthetischer klingt, bleiben R.E.M. sich selbst treu. Ein großartiger Popsong ist „The Outsiders“ mit einem Gastauftritt des Rappers Q-Tip (Jonathan Davis) von A Tribe Called Quest. Bei „Wanderlust“ arbeiten R.E.M. mit einem beschwingten Marschbeat. Blumiges Finale: im hymnischen Titelstück träumen die Superstars aus Athens von einem Ausflug zur Sonne. Und wie sagt Michael Stipe so treffend: „Auch im bedrückendsten R.E.M-Song gibt es einen Schimmer Hoffnung.“