Jeden Morgen wachte sie auf, wenn’s grade hell wurde.
Dann küsste sie ihr Kind.
Das war eigentlich der einzige Moment des Tages, wo sie glücklich war.
Sagt sie.
Dann zur Arbeit, abends dann in die Schule.
Dann heim.
Todmüde. Irgendwann hat sie dann die Kontrolle verloren.
Von diesem Moment an wurde ihr Leben nur noch von außen bestimmt.
Eine Zeitlang hat sie nur noch von der Hoffnung gelebt.
Ab dann war alles nur noch Drahtseilakt.
Das ist ja dann gut zehn Jahre so gegangen.
Unverändert.

Irgendwann hat sie dann den Verstand verloren.
Von diesem Moment an war eigentlich nur noch ihr Körper da.
Ihre Seele war weg, quasi auf der Suche nach sich selbst.
’Wo bin ich rausgekippt?
Haltet endlich diese Welt an und lasst mich aussteigen!’
Hab ich sie mal sagen hören.
Sie konnte ja keine Ruhe mehr finden.
Es war sowas wie eine Besessenheit.
Sie hat sich lange genug gehalten,
aber irgendwann war es dann zuviel,
dieses Rumstochern im eigenen Nebel.
Sie hat ein Recht auf diesen Nervenzusammenbruch.
Klingt zwar zynisch, aber ist doch so.
Der Vater von ihrem Kind ist abgehauen,
aber sie hat trotzdem weitergemacht.
Dann hat sie doch diesen Anderen kennengelernt,
aber das ist ja dann auch schiefgegangen.
Damals hat sie ihren Mut eingebüßt.
Sie hat zwar noch eine Zeitlang versucht, dagegen anzukämpfen,
aber dann war auch kein Wille mehr da.
Es ist ja nun nicht ganz einfach,
mit verlorenen Träumen weiterzuleben.
Da gibt es kein Fundbüro auf der ganzen Welt,
wo man sie wiederbekommen könnte.
Gut, da war noch das Kind,
das hat ihr noch Kraft gegeben.
Aber auch nicht lange.
Sie war ja schon längst untergegangen.
Von selber kommt da keiner mehr raus.
Rundrum nur noch Katastrophen.

Sie hat sich lange genug gehalten,
aber irgendwann hält das keiner mehr aus,
dieses Rumstochern im eigenen Nebel.
Sie hat ein Recht auf diesen Nervenzusammenbruch.
Sowas ist ein Balance-Akt von Minute zu Minute.
Und irgendwann verlässt einen dann das Gleichgewicht.
Jetzt versucht sie, irgendwie festen Boden unter die Füße zu kriegen,
alles nochmal rumzureißen.
Die lässt sich doch nicht unterkriegen, die kommt schon wieder.