Stand:

Joey Keys war einer von den Nachbarn.
Manche sagten, dass er schlecht sei,
und für Joey war das in Ordnung.
Sie nannten ihn Keys – Schlüssel – weil er Schlösser knackte,
aber niemanden ausraubte.
Die Polizei fand das unterhaltend.

Seine Eltern hatten diese Kneipe.
Und nach der Sperrstunde kriegten wir dort so ziemlich alles, was wir wollten.
Mich hat es nie gestört, dass er etwas langsam war im Kopf
und nicht gut lesen oder schreiben konnte.
Aber er konnte gut mir dir reden und gut zuhören.
Und so haben wir nächtelang geredet:
Was man vom Leben will, ob man irgendwelchen Spinnereien nachjagen soll.
Sein Vater hat immer gesagt, dass Morgen ein Zug nach nirgendwo ist.
Und ich hab dann gesagt, dass ich ein paar Fäden ziehe und uns Flügel kaufe und dass wir dann wegmachen, Joey und ich.

Er war auf den Tag drei Jahre jünger als ich.
War wie mein kleiner Bruder.
Aber irgendwann war er eher ein Klotz am Bein.
Ich hatte damals ein Mädchen kennengelernt. Rhonda.
„Ich kann vielleicht lernen, ihn zu mögen. Aber drei sind einer zuviel“.
Hat sie gesagt.

Joey, erzähl mir von deinen Träumen.
Sag mir was du siehst, wer du sein willst.
Lass die Mädels Mädels sein und kämpf’ endlich mal.
Heute heißt es, dass dein Vater die Kneipe zusperren musste.
Und das er jetzt mehr trinkt als für ihn gut ist.
Joey, jetzt kannst du mal was Gutes tun.
Knack das Schloss vor diesem Leben,
und lass uns raus hier. Alle.

Autor
SWR3