Stand:

“Wenn du dich ausziehst, fahr ich dich heim” hab ich gesagt.
Weil mir klar war, dass sie der Provokation nicht aus’m Weg gehen würde.
Und weil mir klar war, dass das eher verzweifelt rüberkam als waghalsig oder mutig.
Hab’s einfach gesagt, weil ich schon zu weit gegangen war,
um mich noch um irgendwas zu scheren.

Ich hab auf die Straße gestarrt.
Sie hat sich in den Beifahrersitz gleiten lassen
wie eine Vision vom Paradies.
Und kein einziger Fahrer auf der ganzen fünfspurigen Autobahn
hat diese Schönheit mitgekriegt neben mir.
Nur ich.
Und vielleicht ein oder zwei Trucks.



Die Spur eines Lächelns auf ihren Lippen
und ein trotziger Blick in ihren Augen.
Sie war völlig in ihrer eigenen Welt, ihrem eigenen Weltall unterwegs.
Hat sich dann zu mir rübergedreht, mich angeguckt.
Ich hab sie berührt, und in dieser Berührung lag alles, was sie noch mit mir vorhätte.
So als wär ich der Zweifler, der erst noch überzeugt werden muss.

Es wurde langsam dunkel auf der Straße.
Und ihre Schönheit war sowas von irreführend,
dass ich noch nicht mal mehr mein Herz hab’ schlagen hören.
Heimweg. Und sie nackt neben mir.

Sie hat dann ihre Sachen zusammengepackt
und ist im Dunklen durch den Garten ins Haus gelaufen.
Die Veranda hoch und dann rein.
Das war so was wie ein Blitz. Ein Auf-Blitzen ihrer Haut.
Ich bin im Auto geblieben und hab zugesehen, wie im Haus, unserem Haus
ein Licht nach dem andern anging.
So als ob mir ein Licht nach dem anderen aufging.
Als ob ich plötzlich die Wahrheit erkennen würde.
Die Wahrheit, dass ich mich entscheiden muss.

Autor
SWR3