Stand:

Im öffentlichen Klo hinter der Bushaltestelle ham sie einen umgebracht.
Und zwischen der Pisse auf dem Fußboden,
und dem ausgekotzten Bier
kann man noch die Spuren auf dem Boden sehen.
Blutspuren.
Von dem Kerl, dem sie da den Schädel eingetreten haben.
Gestern oder vorgestern abend.
In der Stadt gibts nix außer Pubs und Clubs und Fast-Food-Läden,
und dazwischen streunen die Typen rum wie Tiere,
randvoll mit Alkohol, Testosteron und Ignoranz.
Und alles was sie suchen, ist einer,
den sie abklatschen können.

Und hin und wieder hört man dann die Sirenen von der Ambulanz.
Und Bullen mit ausdruckslosem Gesicht
malen mit Kreide aufm Boden rum,
damit die Spurensicherung weiß, wo die Leiche gelegen hat.
Und die unheilige Dreifaltigkeit aus Kirche und Staat und Gesetz schaut zu.
Und mit jedem Toten wird das Virus tödlicher.

Denn heutzutage ist AIDS nicht mehr die eigentliche Gefahr,
sondern Intoleranz gegenüber Schwulen.
Denn heutzutage kann man nicht mehr lieben, wen man will.

Autor
SWR3