Stand:

Wenn du aufwachst, dann sag ein Gebet für mich.
Wenn wir am Leben bleiben wollen, dann müssen wir den Frieden suchen.
In jedem Menschen.
Du weißt das.

Sie hatte zwei Kinder. Eins drei Jahre, ein sechs Monate alt.
Das war im Krieg. 1944.
Und jedes Telefonklingeln war ein Stich.
Jedesmal hat sie geglaubt, dass es dieser eine Anruf wäre,
und das der Junge seinen Vater nie kennenlernen würde.

Dann war er irgendwann da. Klatschnass ist er draußen gestanden im Regen.
Granatsplitter unter der Haut. Und der Krieg lebte in ihm weiter.
Da ist es dann schwer, warm, liebevoll, zärtlich zu sein.
Irgendwie ist es dann aber doch immer weiter gegangen.
Er hat jetzt Enkelkinder.

Und du sitzt am anderen Ende des Zimmers und schaust mich an.
Und hast wieder deine Angstzustände.
Glaub mir, ich kenne das.
Zieht dich runter, macht dich wütend.
Reiß dich zusammen, Schatz und atme erst mal durch.
Wir haben nur diesen Moment, den Augenblick. Das Jetzt.
Und ich will nicht so leben wie dein Vater und sein Vater und dessen Vater vor ihm.
Ich lebe hier und ich lebe heute.

Ich will nicht warten, bis unser Leben vorbei ist.
Ich will jetzt wissen, wie es wird. Was es wird.
Ein Ja?
Oder ein ’Sorry’?

Autor
SWR3