Stand:

Es gibt Leute, die würden sich nie im Leben so wie ich jetzt hinstellen und ein Lied vorsingen.
Singen?
Um keinen Preis.
Weil sie Hemmungen haben.
Und dann wären sie im Grunde eigentlich noch gern frech.
Aber das mit den Hemmungen,
das ist halt ihr Pech und das drückt sie.
Glauben sie.

Ich weiß, das verschlägt einem die Stimme,
und dann wird es im Kopf heiß und rot im Gesicht.
Aber manchmal hab ich den Eindruck,
dass diese Hemmungen gar nicht so schlimm sind.
Eigentlich ist das ein Glück, das wir gar nicht verdienen:
diese Hemmungen.

Das unterscheidet uns nämlich vom Tier:
weder die glatte Haut, noch dass wir hinten keinen Schwanz haben,
und auch nicht, dass ein Schimpanse schneller auf ’nen Baum raufkommt.
Sondern, dass wir Hemmungen haben.

Stell dir mal vor, das wäre anders:
Stehen da ein paar Typen rum und dann kommt ein hübsches Mädchen vorbei.
Jetzt kucken wir ihr höchstens auf die Beine.
Hemmungen eben.

Und wenn du dir anguckst,
was der Menschheit heuzutage so alles droht,
da seh ich nur noch schwarz,
nicht mal mehr rot.
Und die einzige Hoffnung, die da noch bleibt, ist,
dass wir Hemmungen haben.

Autor
SWR3