Stand:

Hier hat alles angefangen.
Saxon Street.
Hier haben wir uns getroffen nach der Schule.
Hier vor Gino’s Laden.
Hier haben wir gespielt.
Und jeder hatte schwarze Stiefel an.
Eine Bande Latinos mit schwarzen Stiefeln.
In der Schule haben sie uns immer erzählt,
wie man die Welt beherrscht.
Wie wir dann aus der Schule draußen waren,
haben sie uns mit der Fahne eins über’n Schädel gezogen.
Damals hab ich die erste Frau meines Lebens geküßt.
Francesca.
Ginos Tochter.
Stand immer am Fenster und preßte ihre Nase gegen’s Glas.
Sie wäre’ wohl gerne rausgekommen,
aber sie durfte nicht.
Ihre Eltern flippten ja schon rum,
wenn sie mal sowas wie ’nen Ausschnitt am Kleid hatte.
’Zieh’ Dir was anständiges an’.
Und ich machte einen auf cool.
Stand vorm Fenster und kuckte sie an.
Nix gesagt, immer nur gekuckt.
Sie wollte mich dann immer wegjagen.
Aber ich bin nie gegangen.

Heute sitzen ein paar von uns im Büro.
Andere im Knast.
Und der Rest läßt sich mit
schönster Regelmäßigkeit von den Kritikern ans Kreuz nageln.

Und manchmal frage ich mich, ob’s das wert war.
Wo ich heute stehe.
Und ob Du mich heute kapieren würdest.
Ob Du mich überhaupt wiedererkennen würdest,
wenn Du jetzt hier wärest.
Und ob Du Dich überhaupt noch erinnerst,
wie alles angefangen hat.
Damals.
Saxon Street...

Autor
SWR3

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