Stand:

Schatz, deine Mutter hat mir was aufs Band gequatscht.
War ziemlich durch’n Wind.
Du wärest irgendwie durchgeknallt. Und du wolltest Schluss machen.
Und sie glaubt jetzt, dass ich die Einzige bin, auf die du noch hörst.
Weil wir diese unerklärliche Verbindung haben von klein auf.

Die sind jetzt geschockt und schieben Panik.
Weil du alles übertreibst. Und sie alles dramatisieren.
Die kommen nicht klar mit dir. Und deswegen veranstalten sie diese Wahnsinnsarie um uns.

Wir waren vor ein paar Jahren mal campen. Weiß das noch ganz gut.
Du hattest damals ziemlich viel im Kopf, mehr als für dich gut war.
Und du hattest Angst davor, dass man das alles wieder aus deinem Kopf rausholt.
Du warst völlig durcheinander. Und gleichzeitig brutal intensiv.
Unzufrieden mit dir selbst. Durstig.
Aber hauptsächlich schön.

Wir beide sind in manchen Punkten nicht weiter als Vierjährige:
Wir wollen wissen warum, und woher und überhaupt.
Uns zeigen, wem wir wollen. Sagen was wir denken.
Keinen Smalltalk machen. Intuitiv sein.
Große Fragen stellen. Gott finden.


Wir haben Kultur, wir haben Zukunft, wir haben Idole, Emotionen, Erfolge, Rückschläge.
Wir haben Geld, wir haben unsere Spleens, unsere Süchte.
Wir haben das, aber wir sind das nicht. Das kommt alles von außen. Das haben wir gekriegt. Wir sind das nicht.
Und das ist unser Problem. Wenn wir das sind, wenn das von uns kommt, dann können wir es packen. Du und ich.
Was wir suchen sollten, sind Leute, die denken wie du und ich.
Wir sollten mehr nachdenken. Und uns mehr erinnern.
Meld dich mal wieder.

Autor
SWR3