Stand:

Dabei ist eigentlich alles machbar.
Alles offen, nix festgelegt.
Flüsse fließen ins Meer, das Meer bringt Dich wieder nach Hause.
Zu Hause – das ist da, wo Dein Herz ist.
Aber Du konntest Dein Herz ja nicht zu Hause lassen.
Musstest die nächste Brücke übers nächste Wasser suchen
und da längs gehen.
Dummerweise war das eine von den Brücken, über die es nur einen Weg hin und keinen mehr zurück gibt. Man kann dann nur noch zuschauen, wie sie abbrennen.

Kein Mensch ist eine Insel. Weil jeder seinen Weg gehen muss.
Und Sachen, von denen man mal geglaubt hat, dass sie stehen, dass man sich drauf verlassen kann, werden irgendwann weich. Wie Butter in der Sonne.
Dann stürzt man ab und wird zum Tiefflieger.
Tief – apropos tief – da treibst Du Dich jetzt wahrscheinlich rum: unten irgendwo.
Dabei solltest Du versuchen, irgendwann irgendwie wieder hoch zu kommen.
Klar: Sicherheit gibt es in dieser Zeit nirgendwo, Probleme dagegen überall.
Ist kalt geworden. Du wolltest das so.
Das war der Weg, den Du Dir rausgesucht hast,
der Dich zu Deinem Ziel führt.

Aber Wege geht man, und Du lässt Dich einfach treiben.
Wie Holz. Treibholz, vollgesogen und voller Algen, das knapp unter der Wasseroberfläche langtreibt.
Und immer wieder bricht ein Stück davon ab, bis es nur noch Stücke sind. Und die werden immer kleiner.
Kleine, ausgehöhlte, nutzlose Holzstückchen. Und irgendwann kommt ein Wasserfall, und der zerreibt das ganze dann vollends zu Staub.
Du hast wahrscheinlich nie gedacht, dass das passieren könnte.
Aber es ist trotzdem passiert. Das ist das Ende.
Tut mir leid, dass das aus Dir geworden ist.
Treibholz. Du treibst schon zu lange.
Trotzdem Gute Reise.

Autor
SWR3

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