Stand:

Wenn sie morgens aufwacht, hat sie Kopfweh,eine Tasse Kaffee in der Hand - ohne Koffein,und eine Marlboro im Mund - eine von den starken. Dann steigt sie in ihren kleinen Japaner und fährt zur Arbeit - das Radio auf volle Dröhnung.Sie träumt davon, den Bogen einmal zu überspannen, es einfach mal zu weit zu treiben. Aber vorher bezahlt sie ihre Rechnungen und denkt nicht an das, was sie verpaßt. Die klassische amerikanische Durchschnittsfrau. Hat durchschnittlich gelebt, wird durchschnittlich sterben. Nachtschwarze Augen, feuerrotes Haar.Und wie hätte sie denn das Kind behalten sollen, wenn sie nicht mal ihren Kopf behalten kann? Gut, sie schuldet keinem was, und sie wird auch nicht auf der Straße landen. Aber die Drinks werden immer größer, und die Argumente schwächer,und sie kapiert noch immer nicht, warum sie nicht einfach alles abschütteln und wegrennen kann. Ihr Lover ist gegangen und nicht zurückgekommen, und jetzt ist es halb drei Uhr morgens. Ihr bester Freund hat ihr heute erzählt, daß er HIV-positiv ist. Irgendwo liegt die Lösung zur Quadratur des Kreises. Sie wird sie suchen. Amerikanische Durchschnittsfrau halt.

Autor
SWR3