Stand:

Kein Tag ohne Sünde
und kein Tag,
an dem ich nicht mal wieder zu spät komme
oder mein Geld verschleudere –
wo ist das ganze Geld nur hin,
frag ich mich jedes Mal.

Jede Nacht bedeutet ein neues Herz
und wieder einer mehr,
der sich im Dunkeln davonschleicht.
Auch er ist nicht das Gegenstück,
nach dem ich suche.
Wo findet man sowas nur?

Und dann schließ ich die Türen ab –
jede einzelne
und schau zurück – immer öfter
und erkenne –
ich bin die Person geworden,
von der ich geschworen hatte,
dass ich nie so werden will.

Früher war alles einfacher,
heißt es.
Obwohl ich mich nicht daran erinnere,
wann das gewesen sein soll.

Mich interessiert vielmehr,
was als Nächstes passiert
was wird aus uns allen?

Ich seh’ es im Gesicht meines Vaters.
Jedes Jahr kommt eine neue Falte hinzu.
Mir ist schon klar,
dass keiner die Zeit aufhalten kann.
Aber wo sind sie hin,
die ganzen Stunden, Tage, Jahre?

Ich wünschte,
ich könnte einfach nur wieder mit Barbies in meinem Zimmer spielen.
Keiner hat je gesagt, dass du so schnell erwachsen werden musst.
Alles geht so schnell.
Schau, jetzt hab ich so viel erreicht
und will doch nur wieder Barbies spielen
in meinem Kinderzimmer.

Rosa Betthimmel und Grasflecken auf den Knien,
Glühwürmchen im Glas einsperren,
vorm Dunkelwerden nach Hause kommen,
mit Tesafilm Poster an die Wand kleben,
Zuckerstangen, die wir geraucht haben,
Ich konnte es gar nicht erwarten, alt zu werden.
Damals.

Autor
SWR3