Stand:

Ich habe genug davon.
Genug vom Leiden,
genug von Schmerzen und vor allem genug davon immer und immer wieder zu hören,
dass irgendwann Friede auf Erden sei.
Da, wo ich groß geworden bin, da gab’s nicht viele Bäume.
Und die, die da waren, die wurden ziemlich schnell umgesägt und zu Keulen verarbeitet,
um unsere Feinde damit zu verprügeln. Man lebt da nach dem Motto:
wer dich verarscht, der überholt dich irgendwann.
Also musst du selbst ein Monster werden, damit dich das Monster nicht umbringen kann.
Und das geht schon viel zu lange so.
Ich möchte mal wissen, wer diesen Blödsinn verzapft hat von wegen: Nur wenn du hart rangehst kann dir nichts wehtun.

Im Radio haben sie wieder ein paar Namen vorgelesen,
und die Menschen dahinter werden wir alle nie mehr kennen lernen können, weil sie tot sind:
Sean, Julia, Gareth, Ann, Brenda.
Haben sich für eine große Idee geopfert. Ihr Leben geopfert.
Ein Leben, das zigmal größer war als die größte große Idee.

Herrgott,
kannst du nicht mal endlich was machen?
Wir saufen hier ab, und drum wirf uns jetzt bitte mal ein Seil oder irgendwas zu.
Friede auf Erden.
Zeig denen, die schon lange nichts mehr hören, weil sie samt ihren Kindern den Kopf in den Boden gesteckt haben deinen Frieden auf Erden.
Niemand schreit so laut nach diesem Frieden auf Erden wie eine Mutter, die ihr Kind verloren hat. Also gib ihn endlich.
Ich höre dieses Lied „Friede auf Erden den Menschen“ jedes Jahr um diese Zeit.
Und es bleibt mir im Hals stecken.
Hoffnung und Geschichte passend da nicht zueinander.
Du hast dieses Lied geschrieben.
Und ich frage dich: was taugt dieser Friede auf Erden?


Autor
SWR3

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