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Benedikt Wiehle
Benedikt Wiehle (Foto: SWR3 Das Magazin)

1982 wurden aus fünf Freunden die Toten Hosen. 40 Jahre später sind sie eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Bands aller Zeiten. Wir feiern das Jubiläum – mit Campino und mit euch!

Campino im SWR3-Interview zur neuen Doku „Auswärtsspiel: Die Toten Hosen in Ost-Berlin“ (Foto: Niko Neithardt)

Sendung nachhören 40 Jahre die Toten Hosen

Die Toten Hosen feiern 40 Jahre Bandgeschichte

Neue Hosen-Songs und Best-Of-Album

Wir haben uns das nicht ausgesucht, aber irgendjemand musste es ja machen“, meint Campino zum 40-jährigen Jubiläum. Am 27. Mai veröffentlichen die Hosen das Best-Of-Album Alles aus Liebe – 40 Jahre Die Toten Hosen. Darauf sind auch sieben neue Lieder. Die aktuelle Single Teufel ist ein Song über Euphorie und Leidenschaft.

Die 43 Songs auf dem Hosen-Best-Of-Album sind eine Mischung aus dem Gesamtwerk der letzten vier Jahrzente. Außerdem wurden drei bereits veröffentlichte Klassiker neu eingespielt und drei weitere Songs für einen besseren Sound neu geremixt. Auch unter den neuen Songs: Die Toten Hosen Scheiß Wessis.

Ehrensache, dass wir zu unserem runden Geburtstag und zu den dazu angesetzten Konzertterminen, auf die wir uns ganz besonders freuen, den Menschen neue Musik mitgeben wollten. Und wo wir schon einmal im Studio waren, haben wir uns den Luxus gegönnt, ein paar Nummern zu überarbeiten oder auf Stand zu bringen, die uns aus den unterschiedlichsten Gründen am Herzen lagen. In erster Linie als Geschenk an uns, aber wir freuen uns natürlich auch, wenn es auch anderen Spaß macht.

Die Toten Hosen gehen auf große Jubiläums-Tournee

Im Sommer planen die Toten Hosen eine Jubiläumstournee durch 17 Städte, die am 10. Juni startet. Eine halbe Millionen Fans können die Konzerte live sehen. Shows in SWR3Land finden in Stuttgart, Freiburg, Mannheim und Konstanz statt. Die Tour heißt: Alles aus Liebe – 40 Jahre die Toten Hosen.

Auswärtsspiel: Die Toten Hosen in Ost-Berlin

Neue Doku der Toten Hosen über illegales DDR-Konzert

Mitte April erschien eine neue Dokumentation über ein ganz besonderes Konzert der Toten Hosen. Darüber haben wir mit Frontman Campino gesprochen. Er war am 7. April zu Gast bei SWR3. Im Radio-Interview und in einer Video-Special-Show mit Moderator Sebastian Müller hat Campino erzählt, wie es damals war, illegal in der DDR aufzutreten.

Hier den Trailer schauen:

Campino erzählt euch in SWR3 alles über die neue Doku der Toten Hosen

Im SWR3-Video-Special geht es um ein intensives Gespäch von Campino mit einem damals verantwortlichen Stasimitarbeiter, dessen Job es war, Bands und die Punk-Szene zu zersetzten. Noch heute ist Campino ein bisschen beleidigt über ihre Stasi-Akte, in der die Toten Hosen als Band aus West-Berlin bezeichnet werden. „Wir sind aus Düsseldorf!", sagt Campino.

Die schönsten Bilder von Campinos Besuch bei SWR3

Große Sorge hatten die Toten Hosen damals um ihre neuen Freunde – die Punks aus der DDR, die durch das Konzert jahrelange Gefängnisstrafen in Kauf genommen haben. Campino spricht im SWR3-Video-Special auch über das Engagement der Hosen bis heute, was die Unterstützung der Punkszenen in totalitären Ländern angeht. Und als es um die deutsche Wiedervereinigung und die Rolle Russlands dabei geht, erzählt Campino auch, was die aktuellen Bilder aus der Ukraine mit ihm machen.

Hintergründe zur Doku Auswärtsspiel: Die Toten Hosen in Ost-Berlin

Es war ein denkwürdiger Nachmittag. Am 27. März im Jahr 1983 gab die westdeutsche Band die Toten Hosen ein illegales Geheimkonzert in der DDR. Wie sie das geschafft hat? Mit einem Trick: Es fand direkt vor der Nase der Stasi statt, getarnt als „kirchliche Veranstaltung mit musikalischem Hintergrund“. Die Konzertlocation: die Erlöserkirche – ein Unterschlupf für die damalige kleine Punkszene im Osten. Besucher: ca. 25, schreiben die Hosen auf ihrer Website.

Dieses Konzert war ein Statement gegen das System – in dem Punk-Auftritte natürlich streng verboten waren. Die Doku erzählt die bisher wenig bekannte, unglaubliche Geschichte hinter diesem außergewöhnlichen und risikoreichen Konzert. Allein schon die Einreise – die Düsseldorfer kamen getrennt voneinander und in unauffälligen Outfits mit einem Tagesvisum in die DDR. In den „spießigsten Klamotten, die wir noch im Schrank hatten“, sagte Campino im SWR3-Interview.

Vor allem ist der Film auch ein Zeichen der Freundschaft zwischen Ost-Punks und West-Punks. Die Instrumente für das ca. halbstündige Konzert liehen sich die Hosen von der Ostberliner Band Planlos, die vor den Toten Hosen auftrat.

Auswärtsspiel (Foto: ard-foto s2-intern/extern, SWR/JKP)
Die Toten Hosen vor ihrem gelben Bandbus. ard-foto s2-intern/extern SWR/JKP

Exklusiver Kinoabend mit den Toten Hosen und SWR3

Diesen Kinobesuch werden 200 SWR3-Hörerinnen und SWR3-Hörer wohl nie vergessen. Zusammen mit der kompletten Band sahen sie am 8. April exklusiv vor allen anderen die neue Doku der Toten Hosen. Nach dem Film fand auf der Kino-Bühne noch ein Talk mit den Bandmitgliedern statt. Tickets gab es nicht zu kaufen, sondern nur bei SWR3 zu gewinnen.

Andi, Breiti, Campino, Kuddel und Vom: Die Toten Hosen feiern 40 Jahre Bandjubiläum (Foto: Robert Eikelpoth)

SWR3-Musikreporter Benedikt Wiehle Ein Kinoabend mit den Toten Hosen

Dauer
Die Toten Hosen (Foto: SWR)

Die Aktion hinter der neuen Hosen-Single Scheiß Wessis

Ihr letztes offizielles und 16. Studioalbum Laune der Natur haben die Hosen vor fünf Jahren veröffentlicht. Danach kamen noch ein Live-Album, ein Akustik-Album und zwei englischsprachige Alben, unter anderem mit Cover-Songs von Liverpooler Bands aus den 60er-Jahren. Jetzt gibt es einen ersten neuen Song: Scheiß Wessis. Darin geht es um die Frage: Wieso kommen so viele Wessis und Ossis über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung immer noch nicht miteinander klar? Die Toten Hosen singen zum Beispiel:

Wollt ihr Austern und Champagner? Kommt zu uns ins KaDeWe
Den Krebs könnt ihr behalten in eurer Charité
Hurra, hurra
Wir scheiß Wessis machen immer alles klar
Scheiß Wessis geh'n hier jedem auf den Sack
Wir scheiß Wessis war'n schon lange vor euch da

Was hat Marteria mit dem neuen Hosen-Song zu tun?

Hinter dem neuen Song der Toten Hosen steckt eine gemeinsame Aktion der Band und dem Rostocker Rapper Marteria, der seinerseits den Song Scheiß Ossis veröffentlicht hat. Beide Songs handeln von Selbstwahrnemungen und Befindlichkeiten 32 Jahre nach dem Mauerfall. Bei Instagram schreiben Marteria und die Toten Hosen dazu:

Es geht um eine Sache, die uns schon seit langer Zeit beschäftigt: Wie kann es sein, dass es über 30 Jahre nach dem Mauerfall immer noch ein Fremdeln und einen Haufen Vorurteile zwischen Ost- und Westdeutschen gibt? Wieso spricht man überhaupt noch von Ost- und Westdeutschen? Als wir die Songs vor drei Monaten eingespielt haben, war die Welt noch ein andere: mit dem Beginn von Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine ist nichts mehr, wie es vorher war. Vielleicht ist auch unser Thema dadurch etwas in den Hintergrund gerückt, aber letztendlich sind diese Lieder auch ein Plädoyer für das Zusammenwachsen, für das Gemeinsame und für die Freundschaft.

Die Toten Hosen sind bekanntlich schon immer eine gesellschaftliche und politische Band und Marteria hat sich auf seinem letzten Album 5. Dimension intensiv mit seiner ostdeutschen Geschichte auseinandergesetzt. in Scheiß Ossis heißt es zum Beispiel:

Ich kauf' Rotkäppchen-Sekt und ein kleines Kotelett in Aspik
Ja, wir sind von gestern
Doch wer hat hier die Tesla-Fabrik, heh?
Hurra, hurra
Wir scheiß Ossis versau'n euch den Tag
Scheiß Ossis, wir sind die, die keiner fragt
Wir scheiß Ossis, heut zieh'n wir blank am FKK

Tote Hosen vs. Marteria – Scheiß Wessis vs. Scheiß Ossis

Die gemeinsamen neuen Songs der Toten Hosen – als „Wessi-Band“ – und Marteria – als „Ossi-Künstler“ – wurden per gleichzeitigem Posting der Single-Cover in den Sozialen Netzwerken angekündigt. Die Toten Hosen kommentierten das Bild von Marteria mit: „Wir waren vor dir da!

Die ähnlichen Songnamen Scheiß Wessis und Scheiß Ossis. Die beiden Pässe des ehemaligen Westdeutschlands mit Adler in „bundesgrün“ und des ehemaligen Ostdeutschlands, der DDR, mit Hammer und Zirkel in „zonenblau“ als Single-Cover. Das gemeinsame Veröffentlichungsdatum 25. März. Die beiden neuen Songs der Toten Hosen und von Marteria gehören zusammen und sind politisch.

Fußball und Musik: Männerfreundschaft zwischen Campino und Marteria

Vor zehn Jahren haben sich Marteria und Campino beim Fußballspielen im Backstage-Bereich eines Festivals kennengelernt. Für das Tote-Hosen-Album Ballast der Republik haben die beiden zusammen Texte geschrieben. Campino und Marteria teilen neben der Musik noch die Leidenschaft Fußball und gehen zusammen ins Stadion.

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