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Benedikt Wiehle (Foto: SWR3 Das Magazin)
Christian Kreutzer (Foto: SWR3)
Patrick Seibert (Foto: SWR3)

Im Sommer hatte US-Rapper Kanye seine Kandidatur für das höchste Amt Amerikas angekündigt. Es folgte ein Zusammenbruch bei einer Wahlkampfveranstaltung, ein Posting seiner Frau Kim Kardashian, dass Kanye an einer bipolaren Störung leide, eine Albumankündigung – und dann lange nichts. Jetzt meldet sich der Musiker mit einem Wahlwerbespot zurück.

Kanye West meint es ernst

In dem Video spricht Kanye West über die Themen Familie, Religion und Zusammengehörigkeit. Das Video beginnt mit den Fragen:

Was ist Amerikas Bestimmung? Was ist das Beste für unser Land?

Kanye West

Der Rapper steht bei seiner patriotischen Rede vor einer wehenden Amerika-Flagge. Dazwischen sind Aufnahmen von einer betenden Familie am Esstisch oder von Feuerwehrleuten im Einsatz zu sehen.

Stepping out in faith. 🇺🇸 #kanye2020

Das Video ist vor allem ein Aufruf an die Amerikaner, ihren Glauben zu stärken und wieder mehr zu beten. Diese Botschaft passt zur Wandlung von Kanye West, denn in den letzten Jahren ist die Religion auch zum Thema in seiner Musik geworden.

Welche Wählerstimmen Kanye West bekommen kann

Die Chancen für Kanye West im Rennen um das Präsidentenamt sind sehr gering. Der Rapper hatte zu spät mit seiner Kampagne begonnen und konnte die Frist nicht einhalten, um überhaupt in allen Bundesstaaten auf dem Stimmzettel zu stehen. In Kalifornien ist er als Vize-Präsident einer unabhängigen Partei gelistet. Im amerikanischen Wahlsystem gibt es aber auch die Möglichkeit, einen Kandidaten in ein freies Feld auf dem Wahlzettel einzutragen – als sogenannten Write In Kandidaten. Und so kann Kanye West auch Stimmen für das Amt des Präsidenten bekommen.

Worüber gerätselt wird ist, wem Kanye West mit seiner Kandidatur Stimmen abziehen könnte, berichtet unsere Korrespondentin Katharina Wilhelm aus Los Angeles: Joe Biden, der als demokratischer Kandidat traditionell mehr schwarze Stimmen bekommen könnte. Oder Donald Trump, der wie Kanye West selbst aus dem Bereich Wirtschaft und Showbusiness kommt. Einige Amerikaner, die keinen typischen Politiker wählen wollen, könnten sich von Kanye West angezogen fühlen, was wiederum Trump, der ja auch kein konventioneller Politiker ist, schaden würde. Es gibt auch Stimmen die glauben, Kanye Wests Kandidatur sei ein Coup des Trump-Teams.

20.07.2020 Bizarrer „Wahlkampfauftakt“: Kanye West bricht in Tränen aus

Rapper Kanye West will laut eigener Aussage US-Präsident werden. Jetzt ist er in kugelsicherer Weste aufgetreten und hat – teils unter Tränen – ziemlich wirre Geschichten zum Besten gegeben. Schuld daran ist möglicherweise ein bipolare Störung.

Schon seit zwei Wochen wird gerätselt, ob Rapper und Kim-Kardashian-Ehemann Kanye West das wirklich ernst meint: Anfang Juli hatte West angekündigt, sich auf das Amt des US-Präsidenten zu bewerben.

Jetzt hat er in Charleston in South Carolina eine erste Wahlkampfveranstaltung abgehalten. Immerhin mussten alle Teilnehmer Masken tragen und Abstand voneinander halten – Vorsichtsmaßnahmen, auf die man bei Veranstaltungen von Amtsinhaber Donald Trump vergeblich hofft.

West: „Ich habe fast meine Tochter getötet!“

West selbst zeigte sich in einer kugelsicheren Weste, auf der „Security“ stand. Dann wurde es bizarr: Der 43-Jährige brach in Tränen aus, als er erzählte, dass sein Vater ihn habe abtreiben lassen wollen. „Meine Mutter hat mein Leben gerettet“, so West.

Er erzählte dann auch noch, dass er selbst bei seiner Frau Kim Kardashian auf eine Abtreibung gedrungen habe, als der Reality-TV-Star mit North- der ältesten Tochter des Paares - schwanger war. „Ich habe fast meine Tochter getötet! Ich habe fast meine Tochter getötet!“ rief West.

Seltsame Story über Sklavenbefreierin Tubman

Dann behauptete der Musiker, die berühmte afroamerikanische Fluchthelferin Harriet Tubman (1820-1913) habe nie Sklaven befreit. Sie habe vielmehr die Sklaven „für andere weiße Leute arbeiten lassen“. Tubmans Leben ist Thema des Films „Harriet - Der Weg in die Freiheit“ aus dem vergangenen Jahr.

Seine Rede sorgte teils für lauten Widerspruch bei den Zuschauern. Tubman ist eine der bekanntesten historischen Figuren des 19. Jahrhunderts. Sie entkam der Sklaverei und half anderen schwarzen Männern und Frauen aus den Südstaaten der USA in den Norden zu fliehen.

Zeichnung des Weißen Hauses auf Twitter

Auf seiner Twitter-Seite hat West Zeichnungen des Weißen Hauses wie diese mit der Aufschrift „The West Wing“ veröffentlicht. Im Westflügel des Anwesens sind die offiziellen Büros des Präsidenten untergebracht:

THE WEST WING #2020VISION https://t.co/QvhgIzJCcv

Ist Wests bipolare Störung an seinem Verhalten schuld?

Wests Gattin Kim geht übrigens auf ihrem eigenen Twitter-Account mit keiner Zeile auf die Ambitionen Kanyes ein – auch nicht auf seine erste Veranstaltung.

Tragisch ist, dass Wests Verhalten möglicherweise mit einer bipolaren Störung zu tun hat. Dabei schwankt die Stimmung der Betroffenen zwischen Manie und Depression.

Nach seinem Auftritt hatte West über ein Dutzend Tweets abgesetzt, von denen ein Großteil offenkundig später wieder gelöscht wurde. In der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) setzte er dann erneut Tweets ab, die ebenfalls kurze Zeit später entfernt wurden. Die meisten Posts waren kaum verständlich. In einem war von einer Scheidung von Kim die Rede.

Die hatte in einer Titelgesichte für Vogue von 2019 bereits erwähnt, dass ihr Mann an einer bipolaren Störung leide.

Sind Wests Präsidentschafts-Pläne überhaupt realistisch? ARD-Korrespondentin Katharina Wilhelm erklärt das kurz:

West und Trump (Foto: Reuters, Reuters)

Nachrichten „Theoretisch könnte er, aber...“

Dauer

Auf Twitter hatte West am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag, geschrieben: „Wir müssen nun das Versprechen Amerikas erkennen, mit Gottvertrauen, einer einigenden Vision und dem Schaffen einer Zukunft“. Dazu verwendete er den Hashtag #2020VISION.

We must now realize the promise of America by trusting God, unifying our vision and building our future. I am running for president of the United States 🇺🇸! #2020VISION

US-Präsidentschaftswahlen im November

Die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA finden im November statt. Ob Kanye West dann tatsächlich gegen Amtsinhaber Donald Trump antritt, ist aber nicht klar. Dazu machte der Rapper keine weiteren Angaben. Der Wahlkampf läuft bereits auf Hochtouren.

Kanye West: Vom Trump-Fan zum Trump-Gegner?

Eigentlich wurde der Rapper in der Öffentlichkeit als Fan von Trump wahrgenommen — er war einer von wenigen populären Künstlern, die Trump öffentlich unterstützen.

Vor zwei Jahren traf West den US-Präsidenten sogar im Weißen Haus und trug dabei eine Baseball-Mütze mit Trumps Wahlkampf-Slogan „Make America Great Again“. Der Rapper sorgte aber auch für Irritationen, als er sich einmal als Fan ausgab und dies später als Witz bezeichnete.

Kanye West und Donald Trump (Foto: Imago, imago images / ZUMA Press)
Kanye West bei Donald Trump im Weißen Haus im Oktober 2018. Imago imago images / ZUMA Press

US-Präsident Kanye West? Elon Musk ist dafür

Der Tweet mit der Ankündigung Präsident werden zu wollen, führte allerdings schnell zu einer Flut von Reaktionen. „Du hast meine volle Unterstützung!“, schrieb Tesla-Chef Elon Musk, der für überraschende und oft wirre Einlassungen bekannt ist, in einer Antwort an West. Ob West mit dieser Ankündigung wenige Monate vor den Wahlen nicht etwas spät dran sein, witzelten andere. 

Es ist nicht das erste Mal, dass der Ehemann von Reality-Star Kim Kardashian politische Ambitionen äußert: Bei den MTV Video Music Awards 2015 kündigte er an, bei der US-Wahl im Jahr 2020 antreten zu wollen. Vor zwei Jahren sagte er dann in einem Radiointerview, er werde möglicherweise im Jahr 2024 für das Präsidentenamt kandidieren.

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