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Als New York vor 20 Jahre Ziel eines Terrorangriffs wurde, suchten viele Menschen Trost in der Musik. Dadurch sind einige Songs eng mit dem Anschlag auf das World Trade Center verbunden.

Enya – Only Time: Nach 9/11 lief der Song der irischen Sängerin weltweit im Radio

Die erste musikalische Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September kam vom Fernsehsender CNN, der Enyas Song Only Time mit Originaltönen der Katastrophe unterlegt hatte. Enya selbst war am Anfang relativ skeptisch, aber sie wusste auch, dass ihr Song den Menschen zumindest ein klein bisschen helfen konnte. Im Text heißt es, dass die Zeit zwar schlimme Ereignisse nicht komplett aus der Welt schaffen kann, aber zumindest Wunden heilt. Ursprünglich hatte die irische Sängerin Only Time im Herbst 2000 veröffentlicht. Anfangs hatte der Song kaum Aufmerksamkeit bekommen. Nach dem 11. September 2001 wurde er ein weltweiter Hit, erzählt SWR3-Musikredakteur Matthias Kugler im Podcast Die größten Hits und ihre Geschichte.

Enya, Only Time (Foto: WEA International – Warner)

Die größten Hits und ihre Geschichte Only Time – Enya

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Bruce Springsteen – My City Of Ruins: Der Boss schrieb ein ganzes Album über die Anschläge

Bruce Springsteen setzte sich auf seinem kompletten Album The Rising aus dem Jahr 2002 mit den Ereignissen des 11. September auseinander – vor allem auch weil die Fans sich das von ihm gewünscht hatten. Es gibt die Geschichte, dass Bruce Springsteen kurz nach dem Anschlag von einem Fremden auf einem Parkplatz angesprochen wurde: „Wir brauchen dich jetzt!“ Im Titelsong The Rising singt Springsteen von einem Feuerwehrmann, der in das einstürzende World Trade Center läuft. My City Of Ruins beschreibt, wie die Gegend um Ground Zero sich nach den Anschlägen verändert hat.

Bereits wenige Tage nach den Anschlägen gab es Benefiz-Veranstaltungen, bei denen Stars Spenden sammelten. Bruce Springsteen spielte zehn Tage nach 9/11 zusammen mit Künstlerinnen und Künstlern wie U2, Sting oder Mariah Carey bei einer Benefiz-Gala für die Angehörigen der Opfer. America: A Tribute To Heroes fand aus Angst vor Anschlägen ohne Zuschauer an geheimen Orten in New York und Los Angeles statt. Hollywood-Größen wie Julia Roberts, Jack Nicholson oder Tom Cruise saßen am Telefon, um die Spenden der 100 Millionen Fernsehzuschauer entgegenzunehmen. Am Ende kamen 150 Millionen Euro zusammen.

Paul McCartney brachte New York mit einem Konzert ein Stück Lebensfreude zurück

Am 20. Oktober organisierte Ex-Beatle Paul McCartney das Concert for NYC im Madison Square Garden. „Ich bin kein Feuerwehrmann oder Rettungshelfer, also musste ich mir etwas anderes überlegen“, sagte Paul McCartney. Sechs Stunden sorgten Musiklegenden von Mick Jagger bis Eric Clapton und Top-Bands von Bon Jovi bis zu The Who für Partystimmung, um sich im Namen aller bei den Feuerwehrleuten, Polizisten und freiwilligen Helfern zu bedanken und vor allem, damit die New Yorker nach den Tagen des Terrors und der Trauer wieder ein bisschen Spaß haben konnten.

Am Ende gingen noch mal alle Stars auf die Bühne, um Paul McCartneys neue Single Freedom zu singen, die er extra für diesen Abend komponiert hatte. Nur einen Tag später spielten Aerosmith, ‘NSYNC, Ricky Martin, Michael Jackson und viele andere 11 Stunden in Washington beim Benefiz-Konzert United We Stand.

The Calling – Wherever You Will Go: Ein Song über Liebe und Hoffnung nach dem Terroranschlag

Wie auch Only Time von Enya hatte Wherever You Will Go von der Rock-Band The Calling eigentlich nichts mit den Terroranschlägen zu tun, wurde aber von den Amerikaner zu einem Song des Unglücks gemacht. The Calling hatten den Song schon lange geschrieben und waren immer davon überzeugt, dass er ein Hit werden kann. Zuerst war er im Teenie-Film Coyote Ugly zu hören, dann kamen die tragischen Ereignisse des 11. September 2001 und Wherever You Will Go wurde zu einer Hymne der Hoffnung und zu einem der größten Hits der 00er-Jahre.

Wherever you will go – The Calling (Foto: SMC - Sony Music)

Die größten Hits und ihre Geschichte Wherever You Will Go – The Calling

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Five For Fighting – Superman (It's Not Easy): Die Hymne der New Yorker Feuerwehr

Am 26. August 2001 steigt Superman (It's Not Easy) von Five For Fighting auf einem bescheidenen Platz 69 in die US-Charts ein. John Ondrasik, Sänger und Songwriter von Five For Fighting hatte das Lied einige Monate vorher komponiert. Es handelt von einem Künstler, der gerne Superman wäre, aber von seiner Umgebung ständig missverstanden wird und somit auch erfolglos bleibt. Ein Gefühl, dass John Ondrasik selbst nur zu gut kannte. Bisher ging seine Karriere nämlich alles andere als steil nach oben. Zwei Wochen nach Veröffentlichung des Songs schockieren die Terroranschläge in den USA die ganze Welt. 3.000 Menschen kommen beim Einsturz des World Trade Centers ums Leben, darunter mehr als 300 Feuerwehrleute. Superman (It's Not Easy) wird zu deren Hymne. John Ondrasik war damals vom plötzlichen Erfolg völlig überrascht.

Wir hatten schon vor dem 11. September gemerkt, dass dieser Song die Leute in vielerlei Hinsicht zu berühren scheint. Aber dann ist er nach dem 11. September zu einer Art Hymne geworden, zu einem Song, der die Gefühle der Leute widerspiegelt. Ein Songwriter freut sich natürlich am meisten, wenn er Menschen helfen kann, wenn sie Hilfe brauchen. Aber das war unter Umständen, die man sich nicht vorstellen konnte.

John Ondrasik hat während dieser Zeit viel darüber nachgedacht, was aus ihm geworden wäre ohne den 11. September, ohne die mediale Aufmerksamkeit für sein Lied. Ein verstörender Gedanke. Aber er hatte eine Lösung für sein Dilemma.

Ich war gerade in London, als die Anschläge passierten. Als ich wieder daheim war, hörte ich plötzlich den Song ganz oft im Radio, CNN unterlegte damit Videos. Ich wollte auf gar keinen Fall einen Profit schlagen aus dieser schlimmen Tragödie und entschied mich, alle Einnahmen daraus den New Yorker Feuerwehrleuten und den Angehörigen der Opfer zugutekommen zu lassen. Was mich enorm berührt hat, ist, dass dieser Song so viele Menschen angesprochen hat und ihnen geholfen hat. Egal, ob sie 8 oder 80 waren, ob Mann oder Frau und egal, wo sie herkamen. Das fand ich wunderbar.

Für John Ondrasik kam wenige Wochen nach dem 11. September der wichtigste Moment seiner Karriere. Auch er trat am 20. Oktober 2001 beim Concert For New York City im Madison Square Garden auf. Five For Fighting bleiben mit ihrer Hymne für die New Yorker Feuerwehr für insgesamt 35 Wochen in den amerikanischen Charts. Bis heute spielt John Ondrasik Superman (It's Not Easy) auf jedem seiner Konzerte.

New York

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Jay-Z & Alicia Keys – Empire State Of Mind: „Lang lebe das World Trade“

Es ist die vermutlich größte Hymne auf eine Stadt: Empire State Of Mind. Jay-Z und Alicia Keys' Song über New York, veröffentlicht 2009 – acht Jahre nach den Anschlägen. Mit einem Satz nehmen sie ganz konkret Bezug auf 9/11.

Long live the World Trade – lang lebe das World Trade Center.

Coldplay – Politik: Dieser Song entstand an 9/11

Auf ihrem 2002er Album A Rush of Blood to the Head veröffentlichten Coldplay den Song Politik. In einem Interview sagte Sänger Chris Martin, dieser Song sei am 11. September geschrieben und zwei Tage später aufgenommen worden. Er entstand aus einem Gefühl der Verängstigung aufgrund der Ereignisse und setzt sich inhatlich mit dem Unglück und dem Thema Vergänglichkeit auseinander. Bei den 45. Grammys 2003 traten Coldplay mit diesem Song im Madison Square Garden in New York auf.

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