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Kira Urschinger
Kira Urschinger (Foto: SWR3)
Franziska Thees
Franziska Thees (Foto: SWR3)
Leo Eder
Leo Eder (Foto: SWR3)

Popmusiker Xavier Naidoo, der zuletzt vor allem in der Szene der Verschwörungstheoretiker aktiv war, hat diese Woche viele überrascht: Er hat sich in einem Video entschuldigt. Aber kann man ihn ernst nehmen? Oder muss da noch mehr kommen?

Drei Minuten lang geht das Video, das Xavier Naidoo ins Netz gestellt hat. Hier erklärt er: Insbesondere der Krieg in der Ukraine – seine Frau ist Ukrainerin – habe ihn dazu gebracht, sich und seine Äußerungen kritisch zu hinterfragen.

Xavier Naidoo: Entschuldigung per Video für „Irrwege“?

Da fiel unter anderem der Satz: „Ich habe erkannt, auf welchen Irrwegen ich mich teilweise befunden habe“, auch wir bei SWR3 haben darüber berichtet. Die Reaktionen darauf waren teilweise sehr hart: Man nehme ihm die Entschuldigung nicht ab, er sei ein Lügner, würde bestimmt bald ein neues Album rausbringen wollen, sei möglicherweise pleite.

Xavier Naidoo nicht für ein Interview mit SWR3 zu erreichen

SWR3 wollte daraufhin mit dem Sänger sprechen, bekam aber eine Absage. Der Sänger kümmere sich um „private Hilfsmaßnahmen für Familie, Freunde und andere Hilfsbedürftige aus der Ukraine“, hieß es im Statement des Managements. Das verlange aktuell seine ganze Aufmerksamkeit und habe oberste Priorität für ihn.

Meinung: SWR3 Posting der Woche an Xavier Naidoo

Diese Debatte hat unsere Redakteurin Kira Urschinger nachdenklich gemacht, ihr SWR3 Posting der Woche geht an Xavier Naidoo.

Großaufmahme von Xavier Naidoo mit gelber, durchsichtiger Brille. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Peter Kneffel/dpa | Peter Kneffel)

Nachrichten Posting der Woche an Xavier Naidoo

Dauer

Lieber Xavier Naidoo,

Sie haben einiges gemacht und gesagt, was viele von uns ebenfalls sehr deutlich als „Irrweg“ bezeichnen würden. Sie hätten „verstörende Äußerungen“ getätigt, sagen Sie im Video. Da kann ich nur sagen: Ja, das trifft es ganz gut! Es war kein kleiner, einmaliger Fehler – das waren große Verfehlungen und sie zogen sich über Jahre. Und nun kommt die Reue, ein 3-Minuten-Video, an dessen Ende sehr viele Fragen offen bleiben. Zum Beispiel, von welchen ihrer Äußerungen oder Taten Sie sich distanzieren wollen, was Ihnen ganz konkret leid tut. Und das sollen wir jetzt also ernst nehmen, da sollen wir Ihnen zuhören?

Ich sage: Ja, das sollten wir.

Denn die wichtige Frage ist doch: Wer sind wir, wenn wir es nicht tun?

Sie sind nicht der Einzige, lieber Xavier Naidoo, der sich in den Herausforderungen der letzten Jahre „verrannt hat“, der „geblendet“ war, sich vom „Bezug zur Realität entfernt“ hat, wie Sie es selbst nennen. Was machen wir mit Menschen, die Fehler begangen haben oder irgendwo falsch abgebogen sind? Wollen wir sie wirklich als erstes der Lüge bezichtigen und sie fragen, warum ihnen das nicht schon ein bisschen früher eingefallen ist? Oder geben wir ihnen eine zweite Chance und hören erst einmal zu?

Ich persönlich wünsche mir, dass wir an dieser Stelle zeigen, dass wir als Gesellschaft in der Lage sind, zu verzeihen und aufeinander zuzugehen – oder zumindest erstmal abzuwarten, wie es jetzt weitergeht, bevor wir Hass und Häme über jemandem ausschütten. Denn das ist auch klar: Lieber Xavier Naidoo, Sie müssen jetzt liefern! Das war ein erster Schritt, aber eben nur der Anfang.

Wir haben Sie für ein Interview mit SWR3 angefragt, weil wir gerne mit ihnen sprechen würden statt nur über Sie. Im Moment, so lautete die Antwort, sei „nicht die Zeit für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ – die Priorität läge aktuell bei der Familie, Freunden und der Hilfe für Menschen in der Ukraine. Das respektiere ich. Vielleicht ist das sogar schon ein Teil dessen, Taten folgen zu lassen. Dennoch würde ich mich freuen, wenn Sie die Zeit finden, die Vergangenheit auch öffentlich aufzuarbeiten. Denn ich habe gelernt, dass man sich nicht entschuldigen kann, sondern nur um Entschuldigung bitten. Folglich müssen sie es ertragen, wenn jemand Ihre Entschuldigung nicht annehmen möchte, weil zu viel passiert ist. Ich aber bin bereit, Ihnen erst einmal zuzuhören – und ich denke, das sind viele andere Menschen auch. Lassen Sie sich diese Chance bitte nicht entgehen.

Ihre Kira Urschinger

Meinungen der SWR3-Community zu Xavier Naidoo

Auf Facebook und Instagram wird rege diskutiert. Wir danken für jeden Kommentar, der zu einer – gerne kontroversen – Debatte beiträgt und dabei respektvoll bleibt.

Ich finde, dass wir unsere Erwartungen an eine ernst gemeinte Wiedergutmachung, Läuterung und Entschuldigung nicht soweit runterfahren sollten, dass uns ein Dreiminutenvideo reicht, zwei Jahre voller Hetze, Lügen und Falschaussagen zu nivellieren und zu vergessen. Mir reicht das jedenfalls nicht, um zuzuhören.

Jeder Mensch hat eine zweite Chance und Vergebung verdient.

Nur Milli Vanilli haben die Leute noch mehr veräppelt....

Liebe Frau Urschinger. Danke für Ihren Kommentar. Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Ich denke, wir sollten alle versuchen mehr aufeinander zuzugehen, statt immer nur Hass und Unfrieden zu verbreiten. Es fällt oft nicht leicht, Menschen eine zweite Chance zu geben. Aber wer verändert sich nicht? Wer hat in seinem Leben noch nie einen Fehler gemacht? 🙌

Hat ihn der Wendler aus der Verschwörer-WG geschmissen?! 😂. Aber Spaß beiseite. Er ist ein toller Sänger, aber es wird "kein leichter Weg" für ihn werden, das Vertrauen wieder herzustellen. Er muss sich beweisen.

Mir kommt das komisch vor. Die Pandemie geht zu Ende und Konzerte können wieder stattfinden. Plötzlich kommt er mit seiner Entschuldigung um die Ecke.

Frau Urschinger, super geschrieben👏👏👏 wir können jeden Tag was lernen, auch lernen zu verzeihen.

Also ich bin immer bereit, Menschen eine 2. Chance zu geben. Allerdings zuerst auf Bewährung sozusagen. Denn nach Worten müssen auch Taten folgen.

Entschuldigung per Video von Xavier Naidoo

Das Video trägt den Titel #OneLove. Darin sieht man ihn auf einem Sofa sitzend. Er wirkt deutlich klarer als in vergangenen Videos.

Naidoo sei bewusst geworden, wie wichtig es sei, sich selbst zu reflektieren. Er habe erkannt, auf welchen Irrwegen er sich teilweise befunden habe und dass er in den letzten Jahren viele Fehler gemacht habe.

Mir wurde bewusst, dass ich meine Familie, meine Freunde, meine Fans, Menschen, die mich verteidigt haben, aber auch andere Menschen mit verstörenden Äußerungen irritiert und provoziert habe, für die ich mich entschuldigen möchte.

Er habe sich verrannt, Theorien, Sichtweisen und teilweise Gruppierungen geöffnet, „von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage“.

Es sei ihm deshalb wichtig zu sagen, dass er sich von allen Extremen distanziere – „insbesondere und vor allem auch von rechten und verschwörerischen Gruppen“.

Ich habe Dinge gesagt und getan, die ich heute bereue.

Management erklärt, warum Naidoo jetzt schweigt

SWR3 wollte daraufhin mit dem Sänger sprechen, aber das ist nicht möglich. Die Managerin von Naidoo Records GmbH, Stefanie Johst schreibt in ihrer Absage:

Ein Beweggrund für die Video-Botschaft war der furchtbare Krieg in der Ukraine, der Xavier Naidoo (...) auch sehr persönlich betrifft. Private Hilfsmaßnahmen für Familie, Freunde und andere Hilfsbedürftige aus der Ukraine verlangen aktuell seine ganze Aufmerksamkeit und haben oberste Priorität für ihn. Bei allem nachvollziehbaren Verständnis für Rückfragen ist daher gerade nicht die Zeit für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Hierfür bitten wir um Ihr Verständnis.

Musik-Redaktion schätzt das Statement von Naidoo ein

Nach Naidoos Entschuldigungsvideo bleiben noch viele Fragen offen, meint auch SWR3-Musikredakteur Dirk Scherer:

Logo SWR3 (Foto: SWR, SWR)

Nachrichten Xavier Naidoo – viele Fragen bleiben offen

Dauer

Hat Naidoo eine neue Tour geplant?

Ende Februar hat er seine Open-Air-Tour wegen der weiter andauernden Pandemie und der damit verbundenen Planungsunsicherheit abgesagt. Es gibt noch keine neuen Termine.

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