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Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
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Klara Blum und Kai Perlmann ermitteln ein letztes Mal gemeinsam. Ein Glück – zumindest für die beiden.

Eva Mattes spielte seit 2002 die Tatortkommissarin am Bodensee. 2004 kam Sebastian Bezzel dazu. Und wie in den vergangenen Jahren kommt auch der Abschiedskrimi eher düster daher.

Der Anfang vom Ende – letzte Chance für Klara Blum

Dunkles Wasser, schwarze Wellen, ein Ruderboot schaukelt durch die Nacht. Ein sterbender Mann auf den Planken, letzte Blicke Richtung Sternenhimmel, dann werden die Augen starr, beleuchtet von Fackeln, das Bootsinnere garniert mit Äpfeln, Beeren, Tannenzapfen – ein Mix aus Tod und Erntedank.

Szenenwechsel. Klara Blum erhält eine besorgniserregende Diagnose: Zwei unentdeckte Herzinfarkte hatte sie schon. Das heißt, sie sollte sich schonen. Der Anfang vom Abschied. Und weil es die letzte Chance ist für Klara Blum, packt man all die Düsternis, die noch übrig ist aus den Folgen davor, in diesen Fall. Der Tote war ein bekannter, bekennender Rechter mit Namen Josef Krist, der die abendländische Kultur durch den Zuzug des Fremden gefährdet sieht.

Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) begegnen bei diesem Fall Menschen, die ihnen zu denken und zu reden geben.; Foto: SWR/Patrick Pfeiffer

Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel) begegnen bei diesem Fall Menschen, die ihnen zu denken und zu reden geben.

SWR/Patrick Pfeiffer

Systemkritik in der Hexen-WG

Es geht auch in diesem Tatort um Flüchtlinge. Es geht aber auch um Kapitalismus und Abzocke, die Schere zwischen Arm und Reich. Es geht auch um explodierende, brennende Textilfabriken in Bangladesch. Und es geht um die kleinblütige Bergminze.

Isolde (Irm Herrmann), Catharina (Hanna Schygulla) und Margarethe (Margit Carstensen) sind seltsam, anziehend, ein bisschen verstörend – und auch in schwierigen Situationen nicht wirklich aus der Ruhe; Foto: SWR/Patrick Pfeiffer

Isolde (Irm Herrmann), Catharina (Hanna Schygulla) und Margarethe (Margit Carstensen) sind seltsam, anziehend, ein bisschen verstörend – und auch in schwierigen Situationen nicht wirklich aus der Ruhe zu bringen.

SWR/Patrick Pfeiffer

Kann diese Pflanze helfen, die mittlerweile zwei Todesfälle zu klären? Klara Blum ermittelt in Sachen Botanik und schließlich trifft sie, in einem abgelegenen Haus, einer heruntergekommenen Gärtnerei, auf eine Fachfrau. Die bestätigt ihr, die kleinblütige Bergminze ist in der Tat sehr selten.

Und in dieser alten Gärtnerei trifft Eva Mattes zum Abschied auf all ihre Fassbinder-Kolleginnen Hannah Schygulla, Margit Carstensen und Irm Hermann. Und diese drei Damen retten dann auch mit ihrem skurrilen Auftritt den überfrachteten, allzu konstruierten Tatort.

Der Abschied von Blum und Perlmann fällt leicht

Perlmann und Blum waren ja noch nie wirklich innig. Jetzt allerdings herrscht Eiszeit zwischen den beiden:

„Vielleicht ist dieses Revier für uns beide zu klein geworden.“

Klara Blum

„Vielleicht haben wir Glück und einer von uns beiden wird beim nächsten Einsatz erschossen.“

Kai Perlmann

Kommt es tatsächlich so oder gibt es nur eine Kündigung? Nur so viel. Der Perlmann wird mir fehlen. Über Tote soll man nicht schlecht sprechen, über scheidende Kommissarinnen auch nicht. Deswegen schweige ich und gebe nur noch schnell zwei Elche.

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Brigitte Egelhaaf
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