Autor
Michael Haas
Michael Haas; Foto: SWR3
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Kommissarin Lenski und ihr polnischer Kollege hatten einen besonders harten Fall: Kindesentführung. Darum ging es jedenfalls am Anfang. Ein Polizeiruf aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet.

Die Kritik zum Nachhören

Entführung auf der Babystation

Daraus entwickelt sich dann eine feingesponnene Tragödie, die gleich mehrere Familien auf beiden Seiten der Grenze trifft. Ein Polizeiruf mit Höhen und Tiefen. Der kleine Leon wurde aus dem Krankenhaus entführt – genauer gesagt, von der Babystation. Seine Mutter war nur fünf Minuten weg, um einen Kaffee zu holen. Das war offensichtlich einen Moment zu lang! Das mag herzlos klingen, ist es aber nicht. Denn die reiche Frau, die in einem seelenlosen Architektenbungalow lebt, ist gar nicht die Mutter des Kindes. Sie hat es gekauft! Illegal in Polen. Ihr Mann hat noch dazu so getan, als sei er der Vater des Kleinen. Doch die Entführung währt nicht lange. Schon nach dreizehn Minuten ist das Baby ist wieder da – der Fall praktisch gelöst. Im Geiste putze ich mir schon die Zähne und torkele müde Richtung Bett.

Familiendrama an der polnischen Grenze

Kameraschwenks über polnische Hochhaus-Tristes tun ihr Übriges. Schlichte Wohnsilos treffen an der Staatengrenze auf Beton gewordene, blühende deutsche Villen-Landschaften. Die Kamera zeichnet ein holzschnittiges Bild von Reichtum hüben und kitschiger Altarfrömmigkeit in bieder eingerichteten Etagenwohnungen drüben. Doch da taucht plötzlich doch noch eine Leiche auf! Aus dem Baggersee! Und ein möglicher Täter: eine Art polnischer Hipster mit ulkigem Bart. Der spielt anfangs noch den treusorgenden Familienvater. Da zieht sich der Polizeiruf aber schon wie Kaugummi-Ersatz zu Sowjetzeiten.

Polizeiruf KW 48; Foto: rbb/Andrea Hansen

Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) rätseln über die Motive der Entführung.

rbb/Andrea Hansen

Kommissare zwischen Gesetz und Moral

Der Polizeiruf Das Beste für mein Kind ist so lala. Vorne und hinten stark, dazwischen hängt er aber genauso durch wie die deutsch-polnischen Beziehungen. Erst zum Schluss wird der Krimi wieder flott, als der Polen-Hipster gesteht, den Toten mit einem silbernen Abbild des Gekreuzigten erschlagen zu haben. Alles mündet in einem nicht uninteressanten Gewissenskonflikt der Kommissare: Kindswohl oder Gerechtigkeit? Da wird’s interessant, endet dann aber leider mit lauter Plattitüden. 

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen – Menschen machen Fehler – Man hat immer eine Wahl. Immer hat man die.

Wie schade! Das Beste für das Kind ist offenbar nicht immer das Beste für den Zuschauer. Ich gebe zwei von fünf Elchen.

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Michael Haas
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SWR3