Autor
Peter Knetsch
Peter Knetsch; Foto: SWR3
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Müllmänner entpuppen sich als brutale Ex-Knackis. Hinter der Entsorgungsfirma verbergen sich kriminelle Machenschaften. Der 30. Fall für die Bremer Kommissare wird zu einem knallharten Psycho-Duell.

Ein Müllfahrer rast schwer verletzt mit seinem Laster die Straße entlang, wenig später ist er tot. Erstochen. Inga Luersen und Kollege Stedefreund, der lustigerweise noch nie einen Vornamen hatte, ermitteln kurz darauf in einem Millieu, das jeder von uns täglich vor Augen hat: Es geht um die Welt des Mülls! Volle Plastiksäcke, orange-uniformierte Müllmänner, Entsorgungsbetriebe, Verbrennungsanlagen. Es geht um die Welt dahinter: Denn die schuftenden Müllwerker entpuppen sich mehr und mehr als ein Haufen Ex-Knackis.

Derb, tätowiert und muskelbepackt

Eine verschworene Männergemeinschaft, die in ihrem eigenen Viertel wohnt und wie eine West-Coast-Gangsta-Bürgerwehr daherkommt. Der Mann, der die harten Jungs zum Müll bzw. zur Entsorgungsfirma Wesel gebracht hat, ist Uwe Frank, Spitzname „Papa“. Ein Bewährungshelfer, der mit dieser Strategie offenbar eine sensationelle Resozialisierungsquote hinlegt.

Schnell wird Luersen und Stedefreund klar, dass „Papa“ nicht als uneigennütziger Gutmensch daherkommt, sondern als Müll-Mafia-Pate die Strippen zieht. Und dass seine Männer nicht nur Müll entsorgen, sondern womöglich auch unbequeme Kollegen.

Tatort - Alle meine Jungs; Foto: Radio Bremen/Jörg Landsberg
Radio Bremen/Jörg Landsberg

Aber es geht nicht nur ums reine Entsorgen, sondern auch um die sehr individuelle Dimension des Mülls. Und über die gibt's – ganz nebenbei – ordentlich Druck auf die Kommissare. Zum Beispiel weiß „Papa“, wie viele leere Weinflaschen Luersen in den Müll wirft und prophezeit ihr süffisant eine niedrige Lebenserwartung.

Wird immer packender und gnadenloser

Ab hier wird der Fall zum gleichwertigen Psycho-Duell. Sabine Postel als Kommissarin Luersen – für mich sowieso die coolste Tatort-Ermittlerin – trifft auf Roeland Wisnekker, der dem mafiösen Bewährungshelfer grandios-psychopathische Züge verleiht. Ein sehr spannender Tatort mit Figuren, die wahrscheinlich direkt in irgendwelchen JVAs gecastet wurden. Eine originelle Story, die super funktioniert, auch wenn alles etwas überzeichnet ist. Ein guter Krimi darf das, reine Realität ist schließlich langweilig. Trotzdem Vorsicht: Für zarte Gemüter ist dieser Tatort nichts. Sobald die Geschichte Fahrt aufnimmt, wird sie auch immer brutaler und gnadenloser. Trotzdem, sehr sehenswert...und hörenswert, denn auch die Musikuntermalung von Rio Reiser bis Hilde Knef ist einfach klasse. Von mir gibt’s vier von fünf Elchen.

Ein Müllfahrer rast schwer verletzt mit seinem Laster die Straße entlang, wenig später ist er tot. Erstochen. Inga Luersen und Kollege Stedefreund, der lustigerweise noch nie einen Vornamen hatte, ermitteln kurz darauf in einem Millieu, das jeder von uns täglich vor Augen hat: Es geht um die Welt des Mülls! Volle Plastiksäcke, orange-uniformierte Müllmänner, Entsorgungsbetriebe, Verbrennungsanlagen. Es geht um die Welt dahinter: Denn die schuftenden Müllwerker entpuppen sich mehr und mehr als ein Haufen Ex-Knackis.

Derb, tätowiert und muskelbepackt

Eine verschworene Männergemeinschaft, die in ihrem eigenen Viertel wohnt und wie eine West-Coast-Gangsta-Bürgerwehr daherkommt. Der Mann, der die harten Jungs zum Müll bzw. zur Entsorgungsfirma Wesel gebracht hat, ist Uwe Frank, Spitzname „Papa“. Ein Bewährungshelfer, der mit dieser Strategie offenbar eine sensationelle Resozialisierungsquote hinlegt.

Schnell wird Luersen und Stedefreund klar, dass „Papa“ nicht als uneigennütziger Gutmensch daherkommt, sondern als Müll-Mafia-Pate die Strippen zieht. Und dass seine Männer nicht nur Müll entsorgen, sondern womöglich auch unbequeme Kollegen.

Tatort - Alle meine Jungs; Foto: Radio Bremen/Jörg Landsberg
Radio Bremen/Jörg Landsberg

Aber es geht nicht nur ums reine Entsorgen, sondern auch um die sehr individuelle Dimension des Mülls. Und über die gibt's – ganz nebenbei – ordentlich Druck auf die Kommissare. Zum Beispiel weiß „Papa“, wie viele leere Weinflaschen Luersen in den Müll wirft und prophezeit ihr süffisant eine niedrige Lebenserwartung.

Wird immer packender und gnadenloser

Ab hier wird der Fall zum gleichwertigen Psycho-Duell. Sabine Postel als Kommissarin Luersen – für mich sowieso die coolste Tatort-Ermittlerin – trifft auf Roeland Wisnekker, der dem mafiösen Bewährungshelfer grandios-psychopathische Züge verleiht. Ein sehr spannender Tatort mit Figuren, die wahrscheinlich direkt in irgendwelchen JVAs gecastet wurden. Eine originelle Story, die super funktioniert, auch wenn alles etwas überzeichnet ist. Ein guter Krimi darf das, reine Realität ist schließlich langweilig. Trotzdem Vorsicht: Für zarte Gemüter ist dieser Tatort nichts. Sobald die Geschichte Fahrt aufnimmt, wird sie auch immer brutaler und gnadenloser. Trotzdem, sehr sehenswert...und hörenswert, denn auch die Musikuntermalung von Rio Reiser bis Hilde Knef ist einfach klasse. Von mir gibt’s vier von fünf Elchen.


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Peter Knetsch
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SWR3