Autor
Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
Stand:

25 Jahre und 60 Ermittlungen hat Tatort-Kommissarin Lena Odenthal schon hinter sich. In der Jubiläumsfolge „Blackout“ am Sonntag ist das deutlich zu spüren: Es gibt jede Menge Stress und Ärger für die Kommissarin.

Szenenbild Tatort: Blackout; Foto: SWR/Alexander Kluge

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hat bei ihrem 60. Fall mit sich selbst zu kämpfen.

SWR/Alexander Kluge

Was fällt mir spontan zu Lena Odenthal ein? Da sind erstmal die 3 K’s: Kripo, Katze, Kopper. Ihr Beruf, ihr Haustier, ihr Assistent. Und sonst? Ja, sie geht joggen. Nachdem wir uns seit 25 Jahren kennen, ist das ein bisschen wenig.

Tatort-Kommissarin mit Lebenskrise

Aber gibt es überhaupt mehr im Leben von Lena Odenthal? Nö. Haben wir uns deswegen Sorgen gemacht. Nö. Wir haben ja noch nicht mal was geahnt von ihren düsteren Gedanken, die sie jetzt - nah am Burnout und mitten in der Lebenskrise - einem Barkeeper anvertraut: „Meine größte Angst ist, dass ich eines Tages allein zu Hause sterbe und dass mich niemand findet, weil mich niemand vermisst. Und dass meine Katze nach ein paar Tagen, wenn das Katzenfutter aufgebraucht ist, anfängt, mich aufzufressen.“

Starker Kontrast: eine flippige Urlaubsvertretung

Jetzt kommt auch noch eine Fallanalytikerin als Koppers Urlaubsvertretung spontan an den Tatort. Kein Problem, meint sie. Die Frau ist flexibel und Samstag wäre für sie der ideale Tag für einen Mord, da könne ihr Mann auf die Zwillinge aufpassen.

Szenenbild Tatort: Blackout; Foto: SWR/Alexander Kluge
SWR/Alexander Kluge

Die Fallanalytikerin heißt Johanna Stern ist jung, hübsch, blond, intelligent. Die anderen Kollegen finden sie toll, toller als die olle, grade so empfindliche, zickige Lena. Das tut weh. Und die Neue ist so analytisch drauf, dass sie es noch nicht einmal merkt, wie sie eine Breitseite nach der anderen auf die ältere Kollegin abfeuert. „Sie werden auch nicht jünger“, sagt sie zu Lena Odenthal und weiter: „Was glauben Sie, was das für ein Drama war, bis meine Oma eingesehen hat, dass sie mit dem Skifahren aufhören muss.“

Zu viel Lena, zu wenig Ermittlung

„Ich spreche ja nicht von mir, ich bin ja verheiratet. Ich spreche von den armen, einsamen Singles auf dieser Welt, auf der verzweifelten Suche nach ein bisschen Zärtlichkeit.“ Jeder Zeuge, jeder Kollege, jeder Verdächtige haut auch nochmal in die Einsamkeitskerbe der ledigen Lena Odenthal. Das ist mir ein bisschen zu viel und wirkt doch manchmal sehr konstruiert. Lena allerdings verliert irgendwann die Kontrolle und durch ihre Sturheit fast ihren einzigen Freund – Kopper.

Eine Geschichte gibt’s auch. Ein Mann wird ermordet, es geht um Sex, Gewalt, K.o.-Tropfen und Rache. Keine schlechte Story, auch mit der obligatorischen Wendung und einem außergewöhnlichen Ende.

Man muss nur wirklich  aufpassen, dass man vor lauter Lena-Burnout-Elend den Faden nicht verliert. Und kleiner Tipp: Der Selbstmord am Anfang hat eigentlich gar nichts mit der Geschichte zu tun. Nicht, dass sie darauf warten, dass da noch was kommt. Was mir gefallen hat: neben tough, ehrgeizig und sportlich bekommt Lena nach 25 Jahren eine vierte Eigenschaft. Und die, so lässt das Ende vermuten, wird uns noch eine Weile beschäftigen.

Autor
Brigitte Egelhaaf
Autor
SWR3