Autor
Michael Haas
Michael Haas; Foto: SWR3
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Zwischen Spießern, Hackern und Rosenbeeten ermitteln die neuen Kommissare Janneke und Brix in ihrem vierten Fall. Der Hessen-Tatort wollte großes Kino sein, geht aber ordentlich schief, sagt SWR3 Tatortchecker Michael Haas.

„Mein Nachbar, der Herr Abendroth, ist ermordet worden!“ Mit diesem Satz erscheint eine schrullige Alte bei der Polizei. Die Kommissare glauben, ihre Phantasie sei mit ihr durchgegangen, denn die Frau ist Krimiautorin. Soweit so langweilig, weil schon oft in anderen Krimis gesehen. Erst als tatsächlich Blut in der Wohnung des Verschwundenen gefunden wird, nehmen die Kommissare Witterung auf. Sie ermitteln im Wendehammer eines spießigen Wohngebiets, in dem sich die Nachbarn scheinbar kaum kennen: die Vorstadt-Hölle in den Schlaf-Burgen am Rand unserer Großstädte.

Der Mörder ist immer der Hacker?

Paul Brix (Wolfram Koch, links), )Anna Janneke (Margarita Broich) und Nils (Jan Krauter).; Foto: HR/Degeto/Bettina Müller

Paul Brix (Wolfram Koch, links), Anna Janneke (Margarita Broich) und Nils (Jan Krauter).

HR/Degeto/Bettina Müller

Am Wendehammer rechts wohnt zum Beispiel der Herr Engels, ein Computer-Nerd, in seinem Smart-Home verschanzt hinter hohen Mauern. Und Sie ahnen es, dieser Sonderling ist der Mörder, wenn es nach den lieben Nachbarn geht.

Um den Herrn Engels rankt sich aber auch noch eine Story: er soll sich gegen den Verkauf seiner Firma an einen amerikanischen Software-Riesen wehren. Alles nur Verfolgungswahn, sagt sein Geschäftspartner, doch der Herr Engels bleibt dabei: die Amis wollten ihn töten, um an seine Firma zu kommen. Big Data! Es ist das ganz große Rad, an dem dieser Tatort hier drehen will.

Zur Auflockerung immer wieder kleine lustige Szenen

Zum Beispiel als der Kommissar sich bedroht fühlt und seine Pistole zieht, und dann nur ein kleiner Rasenmäher-Roboter um die Ecke gefahren kommt. Oder als der eine Nachbar dem anderen Nachbarn mit einem Laubbläser jede Menge Blätter über die Mauer aufs Grundstück pustet. Ja gut, Grundschul-Humor, aber immerhin!

Ansonsten herrscht bei mir große Ratlosigkeit ob dieses Tatorts, der in einer anonymen Villengegend beginnt, und bei Internethackern und düsteren Weltuntergangs- und Verschwörungstheorien endet.

Abendroth (Joachim Bißmeier, links) und Paul Brix (Wolfram Koch).; Foto: HR/Degeto/Bettina Müller

Abendroth (Joachim Bißmeier, links) und Paul Brix (Wolfram Koch).

HR/Degeto/Bettina Müller

Für den Normalo zu kompliziert

Dieser Tatort soll Kunst sein, schreiben andere Kritiker, und feiern die vielen Filmzitate, die kafkaeske Szenerie im Kommissariat und die tolle Arbeit des Kameramanns. Mir gehen aber trotzdem die fürchterlichen Dialoge auf die Nerven, die absurden Handlungsstränge und der konstruierte Mordfall, der später auch zur Nebensache wird. An mir als normalem Zuschauer geht hier vieles vorbei.

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