Autor
Bertram Quadt
Bertram Quadt; Foto: SWR3
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Der letzte gemeinsame Auftritt vom Tatort-Team Ritter und Stark dreht sich um die düstere Vergangenheit eines Radiomoderators. Leider keine prickelnde Geschichte, findet SWR3-Tatort-Checker Bertram Quadt.

Die Tatort-Kommissar; Foto: rbb/Conny Klein
rbb/Conny Klein

Dominik Raacke und Boris Aljinovic zählen zu meinen erklärten Lieblings-Ermittlern. Aljinovic alias Felix Stark hat was prachtvoll gerissenes und Raackes dauer-misstrauischer Till Ritter ist der perfekte Gegenpart. Schade, dass das jetzt die Abschiedsvorstellung ist: nach 30 gemeinsamen Tatorten gibt Raacke auf, Aljinovic muss solo weitermachen. Und dabei waren die beiden eine echte Bank, da kamen spannende Tatorte raus. Doppelt schade, dass es bei Raackes Abschied gar nicht funktioniert.

Die Story ist eigentlich nicht schlecht

Tatort Junge liegt tot im Treppenhaus; Foto: rbb/Conny Klein

Beim Attentat mit einer Briefbombe stirbt ein Junge (Karl Meißner).

rbb/Conny Klein

Ein Junge stirbt, weil er durch Zufall mit seinem Ball eine Briefbombe auslöst, die Radio-Nacht-Talker Nico Lohmann und seiner Freundin gilt. Die Suche nach dem Absender führt Ritter und Stark ins Dunkel der Vergangenheit des auffällig verschlossenen Radiomoderators Lohmann. In der spielen drei Dinge eine wichtige Rolle: Eine verheißungsvolle Schwimmkarriere, die durch einen Autounfall mit zwei Todesopfern ihr Ende fand, ein ehrgeiziger Vater und Lohmanns Ex-Freundin.


Aber: Schon nach einer halben Stunde wirkt die Story bleiern, denn das Geheimnis um Lohmanns Vergangenheit will sich einfach nicht aufklären. Es kommen zwar immer wieder Momente, in denen der Film verspricht spannend zu werden, die flackern aber nur kurz auf, dann geht es zäh weiter.

Alles unspannend, sogar die weibliche Hauptrolle

Mann schwimmt im Teich; Foto: rbb/Conny Klein

Nico Lohmann war mal Profischwimmer. Das liegt aber hinter ihm.

rbb/Conny Klein

Alles, was irgendwie aufregend wirken könnte, wird konsequent vermieden. So etwas funktioniert vielleicht bei einem Fernsehspiel. Außerdem ist zumindest eine der weiblichen Hauptrollen ziemlich fehlbesetzt, denn Julia Koschitz verfügt über exakt zweieinhalb verschiedene Gesichtsausdrücke. Und: Tatort ist kein Fernsehspiel, sondern ein Krimi, und davon erwarte ich mehr als die auf 90 Minuten ausgewalzte Binsenweisheit, dass das Leben ein langer und ruhiger, aber tiefgründiger Fluss ist. Dieser Tatort ist so richtig was für schwache Nerven, da ist jedes Halma-Spiel aufregender. „Großer schwarzer Vogel“ kriegt von mir zwei Elche. Einen für Raacke, einen für Aljinovic.

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Bertram Quadt
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SWR3