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Peter Knetsch
Peter Knetsch; Foto: SWR3
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Totalblockade trifft Sinnkrise! Da hilft anscheinend nur noch Saufen und Wettrülpsen. Die Kommissare aus Dortmund kommen sich im neuen Tatort wieder näher. Das macht alles noch komplizierter. Und wer löst da noch den Fall des erschossenen Familienvaters?

Es ist heiß in Dortmund, alles schwitzt. Kommissar Faber muss sogar seinen Schmuddel-Parka ausziehen, ohne den er nicht richtig denken kann. Denken? Faber denkt ja eigentlich weniger – er fühlt sich per Holzhammer-Intuition in seine Fälle rein. Aber auch das klappt nicht mehr. Totalblockade trifft Sinnkrise. Denken und Fühlen ist aber bitter nötig, denn es gibt tatsächlich auch einen Fall zu lösen.

Hundstage; Foto: WDR/Wolfgang Ennenbach
WDR/Wolfgang Ennenbach

Privatleben gehört in Dortmund mit dazu!

Ein ehrenwerter Familienvater wird erschossen, seine Frau ist ein bisschen irre. Und beides hat offenbar damit zu tun, dass dem Ehepaar vor 14 Jahren ein Kind abhanden kam. Entführt oder tot? Man weiß es nicht – ziemlich kompliziert das Ganze. Und es wird deswegen noch komplizierter, weil unsere vier Kommissare mal wieder mit ihrem Privatleben so viel zu tun haben. Das nervt mich bei jedem anderen Team – nur die Dortmunder, die dürfen das. Die jungen Kollegen Dalay und Kossick kommen sich wieder näher, und die alten – Faber und Bönisch – auf etwas rustikale Art auch: Beim Saufen und Wettrülpsen. Passt aber zu den zweien.

Es gibt meiner Meinung nach kein Tatort-Team, bei dem die Dialoge so gut sitzen, völlig egal ob lustig oder ernst. Die Figuren sind sensationell aufeinander zugeschnitten und deren Geschichten werden konsequent und schlau von Folge zu Folge weiterentwickelt. Das ist zum einen selten im deutschen Fernsehen, zum zweiten wird das von den vier Haupt-Darstellern – Jörg Hartmann, Anna Schudt, Aylin Tezel und Stefan Konarske – aber auch grandios gespielt. Und noch ein Pluspunkt: Dieses erdige Dortmund-Pott-Hintergrundrauschen, keine zwanghaft aufgesetzte Regionalität, sondern einfach ein bisschen Szenen-Kitt zwischen tough und Proll. Grandios: der Faber-Auftritt als Hundescheiße-Polizist.

Wann berappelt sich Faber endlich?

Kleiner Nörgel-Faktor. Der dauer-depressive Hauptkommissar sollte sich mal langsam aus seinem Vergangenheitssumpf ziehen. Das Thema von Fabers verlorener Familie schleppt sich doch schon ziemlich lang durch die Dortmund-Folgen. Aber dass es mit ihm aufwärts geht, dafür gibt’s tatsächlich in „Hundstage“ schon erste Hinweise.

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SWR3 Tatort-Check Tatort: „Hundstage“

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