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Wie sicher sind eure Kenntnisse im deutschen Strafrecht? Geht so? Gut, dann gibt es im Polizeiruf Nachhilfe. Der Chef von Bukow und König stellt resigniert fest: „Niemand darf nach einem Freispruch für die gleiche Tat nochmal angeklagt werden. Das wisst ihr doch!“

Rechtsschutz obwohl schuldig?

Der tragische Hintergrund für die erregte Diskussion bei den Rostockern ist ein bis dahin ungeklärter Mord aus dem Jahr 88. Ein junges Mädchen – Janina – wurde vergewaltigt und getötet. Freispruch für den Hauptverdächtigen, doch jetzt – 30 Jahre später – tauchen eindeutige neue Beweise auf. Die DNA passt. Der Rechtsprechung ist das aber egal, denn die Strafprozessordnung soll zunächst Menschen davor schützen, wegen jedes neuen Indizes erneut vor Gericht gezerrt zu werden. Es geht um Rechtssicherheit und Schutz für Unschuldige. Aber hier wird ein Schuldiger geschützt. Absurd, aber so ist es.

Szenenbilder aus dem Polizeiruf 110

Szenenbilder aus „Für Janina“; Foto: NDR/Christine Schroeder

Ein alter ungeklärter Mord, den Kommissar Röder damals betreut hatte, wird neu aufgerollt. Der Täter wurde damals freigesprochen. Der alte Mordfall beschäftigt Henning Röder, Volker Thiesler und Anton Pöschel.

NDR/Christine Schroeder

Die Presse soll es richten

Dass Recht nicht gleich Gerechtigkeit bedeutet, wissen wir alle. Also spielen König und Bukow gegenüber dem Mörder – der jetzt den soliden Familienvater gibt – eine andere Karte: Er soll freiwillig gestehen. Das Druckmittel: die Öffentlichkeit. Bukow hat keine Probleme damit, der Presse zu stecken, wer sich da hinter der Justiz versteckt.

Gerechtigkeit um jeden Preis

Dieses Spannungsfeld aus Selbstjustiz und Gesetz, aus moralisch-richtig und rechtlich-falsch, legt sich wie ein Netz auf die Geschichte. Und wirkt manchmal leider auch etwas grobmaschig. Wie um diesen umstrittenen Strafrechtsparagrafen drumherum gestrickt. Aber der Fall bekommt zum Glück noch eine tiefere Dimension: Die der Selbstgerechtigkeit. Vor allem LKA-Profilerin König will den Täter auf jeden Fall für seine Tat verantwortlich machen. Und ihr scheint dabei jedes Mittel recht zu sein.

Happy-End mit Knutscherei?

Beide – Bukow und König – interpretieren ohnehin seit einigen Folgen die Themen Recht und Gerechtigkeit eher eigenwillig. Durch diesen Fall um Janina wird deren ohnehin komplizierte Beziehung noch komplizierter. Und so körperlich, dass sie sich sogar prügeln. Aber nach dieser Rostock-Folge – soviel kann man verraten – werden sich beide, moralisch derart aneinandergekettet haben, dass sie dann vielleicht endlich auch mal knutschen können.

Es ist nicht unbedingt ein Hochspannungs-Polizeiruf. Wenig Action, kein klassischer Showdown, dafür eher emotionales Psychodrama. Schwächer als sonst, aber sehenswert!

Autor
Peter Knetsch
Autor
SWR3