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Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
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Brennende Tiere, ein abgehackter Zeigefinger, ein politischer Spinner und alter Adel auf der Suche nach den Wurzeln. Ganz schön viel reingepackt wurde in den Polizeiruf Heimatliebe. Wer nicht aufpasst, verliert den Überblick im polnisch-deutschen Grenzgebiet.

Ein alter Hof auf polnischer Seite, vom Gemäuer bröckelt der Putz, Blümchen an den Fenstern sind nur Farbtupfer in der Trostlosigkeit. Wohlstand sieht anders aus. Wojciech, Jenny und der 15jährige Tomasz Sekula leben hier und zumindest die beiden Männer hängen an diesem Heimatort. Jedenfalls mehr als Jenny, die vor vier Jahren aus Deutschland kam.

Szenenbilder aus dem Polizeiruf 110 „Heimatliebe“; Foto: rbb/Oliver Feist

Tomasz Sekula weiß um den Konflikt zwischen seinem Vater Wojciech Sekula und seiner Stiefmutter Jenny Sekula, an dem er nicht ganz unbeteiligt ist. Jenny will zurück nach Deutschland, doch Wojchiech weigert sich.

rbb/Oliver Feist

Herr Jaschke kidnappt den Gerichtsvollzieher

Doch eines Nachts brennt der Stall, es gibt keine Rettung für die Tiere. Die Sekulas stehen vor dem Bankrott. Fast zur selben Zeit finden zwei polnische Kinder und deren Hund einen Finger auf einem Feldweg. Und wiederum fast parallel zwingt Herr Jaschke in Deutschland einen Gerichtsvollzieher mit Waffengewalt in sein Wohnzimmer. Der Gerichtsvollzieher will das Auto von Herrn Jaschke pfänden, weil der keine Steuern zahlt. Und die zahlt er nicht, weil er damit die Europäische Union fördert. Sagt er.

„Die Polizei hier findet doch nicht einmal ihren eigenen Schatten“

Die Frage ist nun. Was haben der brennende Stall, der abgetrennte Finger auf dem Feldweg und die politische Einstellung des Herrn Jaschke miteinander zu tun? Gibt es da überhaupt eine Verbindung oder warum klingelt bei Jenny Sekula, der Bäuerin, das Telefon, wenn der Mann ohne rechten Zeigefinger eine Nummer wählt? Es wird politisch im Polizeiruf, so viel kann ich verraten, es geht um wertvolles und traditionsreiches Land. Die örtliche Polizei scheint überfordert, jedenfalls sieht das Jenny Sekula so: „Die finden doch nicht einmal ihren eigenen Schatten.“

Kündigt Olga Lenski schon ihren Abschied an?

Aber auch Olga Lenski kommt bei einer Schießerei an ihre Grenzen. Sollen die sich doch gegenseitig abknallen, diese Typen. Sie kann und will das nicht mehr. „Ich fahr’ jetzt nach Hause“, sagt sie zum Kollegen Adam Raczek, lässt ihn dann aber doch nicht im Stich. Klingt nach Abschied, aber bis zum kommenden Jahr bleibt uns Kommissarin Lenski ja noch erhalten, dann steigt Schauspielerin Maria Simon tatsächlich aus dem Polizeinotrufdienst aus. Schade.

Volle Konzentration beim Grenz- und Themenhopping

Schade auch, dass mich die Folge Heimatliebe nicht uneingeschränkt begeistern kann. Ist doch alles sehr kompliziert und die Erzählung mäandert mit all den Wirrungen doch teilweise ganz schön träge dahin. Wer hat nochmal den Finger abgeschnitten, welche Rolle spielt der Bruder und wer hat den Stall angezündet? Um diese Fragen am Ende beantworten zu können, sollte man sich 90 Minuten lang nicht ablenken lassen. Heimatliebe, kein wirkliches Highlight, kann man aber gucken.

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Brigitte Egelhaaf
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