Autor
Michael Haas
Michael Haas; Foto: SWR3
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Die Rostocker Kommissare ermitteln im Umfeld von Jugendämtern und Kinderheimen und stoßen dabei auf brisante Details: Jugendliche ohne Familie werden im Ausland untergebracht, weil es dort billiger ist. Ein Polizeiruf, der zwar gut gemacht, aber leider kein richtiger Krimi geworden ist.

Regungslos liegt der Leiter des Kinderheims im Wald. Erschossen von seinem eigenen Schützling, dem schwererziehbaren Keno. Der ist jetzt auf der Flucht vor der Polizei. Das brisante daran: Er ist nicht allein unterwegs, sondern mit dem gleichaltrigen Sohn von Kommissar Bukow. Die beiden Jugendlichen hatten sich angefreundet. Und auch wenn er weiß, dass Keno den Erzieher auf dem Gewissen hat – Bukows Sohn steht zu ihm.

Szenenbild Polizeiruf 110 Kindeswohl; Foto: NDR/Christine Schroeder
NDR/Christine Schroeder

Zusammen hauen sie ab und suchen Kenos Halbbruder. Der ist auch vom Jugendamt irgendwo untergebracht worden, in einer Pflegefamilie in Polen. Und das ist auch das Thema des Films: Schwererziehbare Jugendliche aus Deutschland, die von Ämter im Ausland untergebracht werden, weil, so wird spekuliert, es dort einfach billiger ist.

„Hat der Junge eine Waffe?“ – „Mehrere! Das gehört bei uns zum pädagogischen Konzept!“

Kommissar Bukow im Gespräch mit einer Erzieherin, die sich über seine Frage lustig macht

Als das mit Bukows Sohn rauskommt, wird der Kommissar vom Fall abgezogen und seine Kollegin König übernimmt die Leitung. Allerdings will der Polizeichef nicht, dass Bukow auf eigene Faust ermittelt. Deshalb bittet er König, sie soll ihren Kollegen inoffiziell in die Ermittlungen einbeziehen. Und so jagt die Kommissarin den Mörder und der Vater den Sohn.

„Kein Wunder, dass wir jetzt hier sind, wo irgendwelche Kinder auf irgendwelche Höfe geschickt werden, wo sie noch nicht einmal die Sprache ihrer Pflegeeltern sprechen. Diese Scheiße hier. Wegen Leuten wie ihnen sind wir hier. Immer schön harte Kante, immer schön drauf. Was für eine gequirlte Scheiße, was für ein Scheißsystem, das mit seinen Kindern so umgeht.“

Kommissarin Katrin König zu Kollege Bukow

Genau das macht es klein, ganz klein. Eine Familienangelegenheit, in die man eigentlich nicht reinschauen will. Auch wenn alles plausibel ist: Klar, Bukows Sohn hat Probleme, wegen der Scheidung seiner Eltern und wegen seines Vaters, der viel zu hart mit ihm umgeht. Tolle Sozialstudie, aber mir fehlt es hier an Krimi, denn man weiß von Anfang an, wer der Mörder ist. Und mir fehlt es an Spannung, denn man ahnt, wie es ausgeht: So einer wie Bukow, der Mann-gewordene Ego-Trip, findet natürlich seinen Sohn. Und dass ich das ahne, tut dem Film nicht gut.

Toll gespielt, aber kein Krimi

Dabei muss man sagen: Wie im Rostocker Polizeiruf üblich, sind die Rollen wieder toll gespielt, alles erdig, dreckig, wahrhaftig, die Figuren wirken lebendig, das Leben quillt aus jeder Pore. Aber: Es packt mich nicht, es ist kein Krimi. Im Gegenteil: Der Polizeiruf wirkt selbstverliebt, als hätte ordentlich was von Bukow abgefärbt. Ich bin gespannt, wie viele Zuschauer das anders sehen werden, aber von mir gibt für diesen Rostock-Polizeiruf nur zwei von fünf Elchen.

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Michael Haas
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SWR3