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Michael Haas
Michael Haas; Foto: SWR3
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Endlich wieder neue Krimis im Ersten! Es scheint diesmal, als wäre der Fall bereits nach ein paar Minuten geklärt. Doch so einfach ist es für Kommissar von Meuffels nicht. Eine verwobene, verwirrende aber sehr sehenswerte Geschichte.

Der Polizeiruf 110 am Sonntagabend beendet die Serie an Wiederholungen über die letzten Wochen. Nächste Woche kommt der erste frische Tatort nach der Sommerpause, diese Woche wird schon mal vorgeglüht mit einem neuen Polizeiruf. Es ermittelt Matthias Brandt alias Hanns von Meuffels in München. Dort wird ein Junge in der U-Bahn dabei gefilmt, wie er einen jungen Mann ersticht. Es erwartet uns ein unvorhersehbarer, ganz besonderer Krimi.

Polizeiruf 110: Morgengrauen; Foto: ARD

Hauptkommissar von Meuffels soll im Gefängnis einen besonders heimtückischen Mörder vernehmen.

ARD

Am Anfang geht alles rasend schnell

Mord nach 2 Minuten, aufgeklärt nach zehn. Alle klopfen Kommissar von Meuffels auf die Schulter. Eigentlich wäre unser Krimi damit auch schon zu Ende. Doch der Polizeiruf geht hier erst los. War es der Junge doch nicht? Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand ein Scheingeständnis ablegt. Nein, nicht hier. Denn der Junge war’s tatsächlich. Aber er hat Angst, vor allem vor seinen Mithäftlingen.

Aha, Thema „Gewalt im Knast“, denkt sich der Zuschauer. Aber auch hier: Wieder nein! Zwar hat der Junge zu Recht Angst, aber auch darum geht es nur am Rande. Und damit nimmt unser Krimi jetzt richtig Fahrt auf. Diesmal aber nachdem der Mord aufgeklärt ist. Es ist eine schöne Variante von Drehbuch-Autor Alexander Adolph, der auch selbst Regie führte – und uns immer wieder auf eine falsche Spur setzt.

Sehr verwirrend, da kein roter Faden erkennbar ist

Der Zuschauer braucht Durchhaltevermögen für die vielen Handlungsstränge, die oft auch gar nicht zu Ende erzählt werden, weil sie einfach nur ablenken sollen. Wunderbar! Und als ob das nicht schon genug wäre, verliebt sich von Meuffels auch noch in die Abteilungsleiterin des Jugendknasts. Eine zarte, fast scheue Liebesgeschichte, die hier entsteht und in die man förmlich hineingezogen wird.

Das einzige, das einen wirklich stört, ist der Gefängnis-Psychologe. Der wird nämlich von Axel Milberg gespielt, der aber leider schon als Tatortkommissar Borowski aus Kiel bekannt ist. Das ist unglaublich verwirrend, weil man dauernd denkt, da belauern sich zwei Kommissare. Es gibt in Deutschland weiß Gott genug Schauspieler, viele übrigens oft arbeitslos. Die hätten den Psychologen sicher mindestens genauso wirkungsvoll gespielt. Dem Zuschauer würde es beim Verstehen der Geschichte jedenfalls helfen.

Polizeiruf 110: Morgengrauen; Foto: ARD

Mehmet, Aleksander Dushku, Dilan, Christian und Tarek müssen sich mit den Fragen des Kommissars auseinandersetzen.

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Das Fazit: Dieser Polizeiruf hat was, wird aber nicht jeden erreichen. Verwirrend ist die getragene Art und die fast flüsternden Schauspieler. Alles sehr zurückgenommen, dafür eine herrlich verwobene, unvorhersehbare Geschichte. Sehenswert, man muss sich nur drauf einlassen. Und dann wird’s – im besten Wortsinn – ein ruhiger Krimiabend, der aber sehr interessant wird.

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