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Peter Knetsch
Peter Knetsch; Foto: SWR3
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Ein Mord, ein Täter: So kennt man das. Doch für gewöhnlich gesteht der Täter nicht schon nach 10 Minuten. Polizeiruf-Kommissar Meuffels aus München scheint in seinem achten Fall genau das zu haben.

Szenenbild Polizeiruf 110: „Smoke on the water“; Foto: BR/Julia von Vietinghoff

Der Musiker Mischa Eigner kann sich mit kleinen Engagements gerade so über Wasser halten. Der große Erfolg blieb bisher aus.

BR/Julia von Vietinghoff

Eine junge Journalistin wird erschlagen. Nach 10 Minuten gibt's ein Geständnis. Von einem jungen Jazzmusiker. Er gibt alles zu, von wegen Eifersucht und so. Natürlich zweifelt von Meuffels das Geständnis an, schließlich haben wir ja noch 80 Minuten.

Die Geschichte kommt ins Rollen

Und da schau an... die erschlagene Journalistin war hinter einer Riesenstory her. Rüstungsgeschäfte, Korruption, mächtige Seilschaften, alles dabei. Und all das hat was mit einem alten Schulfreund von von Meuffels zu tun: Joachim Freiherr von und zu Cadenbach, erfolgreicher EU-Politiker, aber vor allem eben adlig.

Blaues Blut bei den Ermittlungen

Szenenbild Polizeiruf 110: „Smoke on the water“; Foto:  BR/Julia von Vietinghoff
BR/Julia von Vietinghoff

So dermaßen adelig, dass er und auch die Frau Gemahlin und der hochwohlgeborene 10-jährige Nachwuchs ständig Plattitüden von sich geben. Von wegen, wir bei Adels feiern uns ständig selbst bei Reitturnieren und Hochzeiten, und am liebsten ist man unter seines Gleichen, das dumme Volk nervt ohnehin nur. Der blaublütige Ablegerknirps heißt übrigens – bitte festhalten – Holger-Zacharias. Oder auch – nochmal festhalten – Holzi. Holzi!!!

Alles ein bisschen arg aufgesetzt

Und spätestens ab da möchte man mit einem großen Holzi-Prügel auf den Fernseher schlagen. Soviel Blasiertheit und Dekadenz im Jahr 2014, sorry. Aber nicht nur diese Zu-Guttenberg-Kopien wirken aufgesetzt, auch die Normalsterblichen reden wirres Zeug. Da will zum Beispiel die Lebensgefährtin der toten Journalistin sagen, dass sie selbst keine investigative Reporterin ist, und was sagt sie stattdessen: „Ich bin kein nobler Erbe von Woodward und Bernstein, ich arbeite nur bei Rewe an der Kasse.“ Da schau an, aber wissen, wer Watergate ins Rollen gebracht hat. Absurd.

Genial gemacht, leider etwas künstlich

Solche Blablub-Phrasen sollen vielleicht ironisch künstlerisch wirken – sind aber vor allem künstlich und ärgerlich. Weil der Krimi ansonsten nämlich richtig gut wäre. Da gibt es tolle Regie-Einfälle, irre Rückblenden, Zeitsprünge und zig Tricks, mit denen am Ende eine unglaubliche Spannung aufgebaut wird. Da gehts richtig apokalyptisch zu. Aber unterm Strich reicht das nicht, um auch nur annähernd an den Tukur-Tatort vom vergangenen Sonntag ranzukommen.

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Peter Knetsch
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