Autor
Bertram Quadt
Bertram Quadt; Foto: SWR3
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Ein Brandanschlag auf einen Friseursalon führt Janneke und Brix in die rechten Szene. Ein Tatort mit bildgewaltigen Klischees – und einer gehörigen Portion Erziehungsfernsehen.

Nachdem am Neujahrstag ja ein Polizeiruf gesendet wurde, ist jetzt der erste Tatort des Jahres 2017 dran. „Land in dieser Zeit“ spielt in Frankfurt, es ist der fünfte Fall der Ermittler Janneke und Brix. Beim Brandanschlag auf den Frisiersalon kommt die Angestellte Melanie um.

Auf dem Gehweg vor dem ausgebrannten Laden findet sich ein Graffiti „Kill all Nazis“. Am Tatort liegt Melanies völlig zur Unkenntlichkeit verkohlte Leiche. Identifiziert wird sie anhand eines erstaunlicherweise völlig unversehrten Namenskettchens aus Silber. Aber das hat mit dem Fall nix zu tun, nicht dass man jetzt den Eindruck bekommt, in diesem Tatort drehe es sich um Indizien, Beweise und Fakten.

Szene aus Tatort - Land dieser Zeit; Foto: HR/Degeto/Bettina Müller
HR/Degeto/Bettina Müller

Wie dem auch sei: Die beiden Ermittler ermitteln. Ihr neuer Chef wird auch gleich eher unsympathisch vorstellig, erteilt erstmal Pünktlichkeitsrüffel und damit entlässt er seine Kommissare an die Arbeit. Ergebnis: Es gab vor dem Geschäft einen Streit zwischen einem afrikanischen Drogendealer, der inzwischen toten Melanie und ihrer Kollegin Vera. Der Dealer wird geschnappt, Vera identifiziert ihn sofort, aber Kommissarin Janneke geht das alles zu schnell und sie glaubt der Hauptzeugin Vera nicht.

Dass der neue Chef allenfalls dadurch Beiträge leistet, dass er österreichische experimentelle Lyrik zitiert, hilft auch nicht wirklich weiter. Dann stellt sich noch raus, dass der verdächtige Dealer ein Alibi hat und freigelassen werden muss. Aber dafür hat Vera ein stark nationalistisches Umfeld, in dem man entweder harte Rockmusik hört oder im Chor deutsche Volkslieder singt.

Alles ein bisschen arg

Leider alles ein bisschen arg überzeichnet, ein bisschen arg klischeehaft, ein bisschen arg vorhersehbar. Den erhobenen Zeigefinger in den Dialogen hat man tunlichst vermieden, aber dafür in die Bilder und den Handlungsablauf doppeldick und unterstrichen eingebaut. Das ist schade, denn dadurch bleibt so viel auf der Strecke in diesem Tatort: da ist beispielsweise ein hochintelligent gemachtes Netzwerk der Neuen Rechten am bösen Werk, aber wie es funktioniert, wird noch nicht mal angerissen.

Da wären weitere wichtige Fakten und Details zu klären, aber das unterbleibt, und irgendwann ist dann auch die Spannung weg und das Ganze gedeiht zum Erziehungsfernsehen herab. Einen Elch für das wirklich tolle Spiel von Margarita Broich und Wolfram Koch als Ermittler, einen für den originellen neuen Chef, aber damit hat es sich, mehr als zwei von fünf Elchen sind für mich nicht drin.

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Bertram Quadt
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SWR3