Autor
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer; Foto: SWR3
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Der verrückteste Kommissar der ARD quält sich im Tatort aus Dortmund mit Geistern aus der Vergangenheit, mit Psychopathen und Pädophilen. Und er schlägt uns mit der Faust ins Gesicht.

Es gibt ja so einige Verrückte unter den Tatort-Kommissaren, aber Hauptkommissar Faber aus Dortmund schießt regelmäßig den Vogel ab: Seitdem Frau und Kinder von einem Psychopathen ermordet wurden, ist er nur noch ein psychisches Wrack. Erkennungszeichen: Trenchcoat und grenzenloser Zynismus. Spannend und unterhaltend ist das immer. Die harten und unappetitlichen Themen liegen oft in seinem Revier, dieses Mal auch?

Kommissar Faber in Verdacht 

Es ist helllichter Tag in Dortmund, Kommissar Faber und sein Team werden plötzlich von einem Telefonat im Smalltalk unterbrochen: Die Tochter eines Team-Kollegen wird gerade entführt. Alle stürmen zum Tatort, um das Schlimmste zu verhindern. Was sie vorfinden ist gruselig. Die 6-jährige Mia ist weg, die Mutter liegt mit Heroin-Überdosis am Boden. Im letzten Moment wird sie mit einem Spritzen-Notfallset gerettet. Das Erste, was sie sagt: „Ein Polizei-Kollege wars, sein Name: Hauptkommissar Faber.“

Ein Alptraum aus der Vergangenheit

Fassungslosigkeit bei den Kollegen vor Ort, das riecht nach Ärger, aber schnell ist klar: Der irre Faber war es nicht. Wer treibt hier sein Spiel und zieht Faber mit hinein? Es ist ein Geist, ein Alptraum aus der Vergangenheit: Der Mann, der Frau und Kind von Faber ermordet hat.
Die Szenerie hat etwas vom Klassiker Schweigen der Lämmer mitsamt Intellektuellen-Bösewicht. Markus Graf ist ein Psychopath, der nicht nur Kinder entführt. Ein Pädophiler, der Kinder missbraucht, mit anderen Männern tauscht. Er hat noch eine Rechnung mit Faber offen.

Ein Anruf von Graf bei Faber schlägt ein, wie eine Bombe. Es folgt ein Treffen. Graf will, dass Faber stirbt, Selbstmord begeht. Und der, verrückt wie er ist, hat das eh fast schon ein paar Mal hinbekommen. So stehen beide auf einem Hochhaus und schauen in die Tiefe.

Tatort_Monster; Foto: Thomas Kost/WDR
Thomas Kost/WDR

Kinderhandel und Missbrauch

Währenddessen läuft Mias Zeit ab, die Lage ist ernst. Sie wird auf einer Pädophilen-Website zum Kauf angeboten. Was sollen die Ermittler tun? Mitbieten? Geht nicht. Um in solchen Netzwerken mitmachen zu können, muss die Polizei selbst pornografisches Material hochladen. Das ist bis heute nicht erlaubt, und wenn, dann nur mit künstlich generierten Bildern: „Niemand sagt, dass Rechtsstaat einfach ist. Manchmal ist er einfach nur beschissen”.

Ein Tatort, der es in sich hat

Das ist ein Tatort, der es in sich hat. Kinderhandel und Kindesmissbrauch sind Themen, die so sehr an die Nieren gehen, dass es mir fast schlecht wurde beim Zuschauen. Trotzdem ist das auch ein spannender Krimi, toll erzählt und wie immer grandios gespielt. Fesselnd, von Anfang bis zum Schluss. Das gibts auch bei Netflix nicht besser.

Auf geht's, unbedingt angucken!

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Stefan Scheurer
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SWR3