Autor
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer; Foto: SWR3
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Meret Becker gehört zu den grandiosen Tatort-Kommissarinnen. Sie kann ja nichts dafür, dass sie immer im tristen Plattenbau ermitteln muss. Hier gibt es keinen Spaß, kein schönes Leben und keinen schönen Tod. Wenigstens eine gute Krimi-Geschichte?

Es ist mal wieder Nacht im Tatort, wie so oft. Im Berliner Plattenbau wird ein Rentner von zwei Teenies in der Wohnung überfallen, es geht ums Geld. Der Rentner…. stirbt aber nicht! Ein anderer Rentner wird im Nachbarhaus tot gefunden. Was die beiden miteinander zu tun haben, ist erst mal unklar. Das ist so ein Tatort-Ding: Ein bisschen Zuschauer-Verwirrung am Anfang kann ja offenbar nicht schaden?

Der Kommissar und die Leiche

Peinlich ist allerdings sofort, dass ausgerechnet Kommissar Karow wochenlang neben der Leiche gewohnt hat, ohne was zu riechen, zu sehen, zu hören oder zu schmecken. Ruckzuck steht er im Zentrum des Spotts seiner Kollegen.

Szenenbilder aus dem Tatort „Das Leben nach dem Tod“; Foto: rbb/Marcus Glahn

Karows Nachbar ist tot und niemand hat etwas bemerkt. In der Wohnung des Opfers Fritz Irrgang überlegen Nina Rubin und Karow, ob die an der Wand hängende gekreuzigte Dismas-Figur ihnen bei der Lösung des Falles weiterhelfen kann.

rbb/Marcus Glahn

Wohnen im Tatort

Karow selbst ist es auch etwas unangenehm, so komplett und grandios versagt zu haben, einer der Nachbarn zu sein, die angeblich nix mitbekommen haben. Zur Selbstkasteiung verordnet er sich erst Mal einen sehr langen Aufenthalt in der Tatort-Wohnung – zwischen Maden und Fliegen und abgestandenem Blut.

Mörderische Vermieterin?

Er und Kollegin Rubin ermitteln auf jeden Fall mal in alle Richtungen. Die Vermieterin ist hochgradig verdächtig, immerhin will sie die Wohnung bis zum Monatsende wieder neu vermieten – anderseits macht sie halt, was Vermieter so machen: ans Geld denken. Ist der Mord eine Art Entmietung per Kopfschuss?

Verrückt, gell? Ja, det iis Berlin, wa?

Ein bisschen mehr Liebe wäre gut

Der Tatort hat leider ein Riesenproblem: Die Geschichte zieht sich unglaublich dahin, wie Kaugummi, ohne, dass viel passiert. Die erste Stunde bin ich eigentlich nur deshalb dran geblieben, weil die Schauspieler echt toll spielen. Man leidet förmlich mit, wenn sich Kommissar Karow immer wieder latent in seine Kollegin verliebt und schmalzig beteuert, sie sei die einzig wahre Stütze in seinem Leben, die Beste von allen. Da wird ein bisschen Fummeln doch erlaubt sein? Das hoffen wir Zuschauer zumindest, aber es bleibt bei 30 Sekunden zwischenmenschlicher Kommissar-Liebe im Plattenbau-Ambiente – und mehr davon hätte dem Fernsehabend echt gut getan.

Spannung auf den letzten Drücker

Dem Tatort hilft leider auch nicht, dass es erst in der letzten halben Stunde wirklich ordentlich zur Sache geht. Die Macher gehen hier regelrecht zum Äußersten, denn die Geschichte wird nochmal spannend!! Aber eben zu spät, denn da sind die meisten Zuschauer auf der Couch schon lange mit Whatsapp und Instagram in die Belanglosigkeit weggedöst.

Der Tatort bleibt nur was für Fans von Meret Becker und Mark Waschke, dafür echt ein paar Herzchen und Likes von mir. Insgesamt aber eben nur 2 von 5 Elchen.

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Stefan Scheurer
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SWR3