Autor
Peter Knetsch
Peter Knetsch; Foto: SWR3
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Das Team aus Dresden war mal wieder an der Reihe. Der fünfte Fall der Ermittlerinnen Gorniak und Sieland und ihres schrulligen Chefs Schnabel. Die Folge heißt Déjà vu. Ein Krimi, der zwar überhaupt nicht in die Jahreszeit passt, aber trotzdem sehr gelungen war.

Alles schwitzt, es ist Hochsommer – die Luft brennt und ein kleiner Junge verschwindet. Eltern und Freunde suchen verzweifelt. Umsonst. Kurz darauf wird Ricos Leiche, in eine Sporttasche gequetscht, am Elbufer gefunden. Missbraucht – der Mord eine Verdeckungstat, die vor allem Kommissariatsleiter Schnabel nervös macht.

Ein alter Fall?

Schnabel befürchtet, dass sich hier gerade ein Muster wiederholt, ein alter Fall mit einem ähnlich alten Jungen, dessen Leiche nie gefunden wurde. Schnabel und die Kommissarinnen Sieland und Gorniak stehen unter Hochspannung, eine genervte Stimmung, angefeuert durch Mediendruck, Ermittlungszwängen, Sommerhitze und eine aufgebrachte Bevölkerung.

Hier ist kein Platz für den bisher oft so locker schnoddrigen Tonfall in diesem Team, kein Platz für die typisch tapsigen Mann-Frau-, Ost-West-Kollisionen – dafür ist die Wucht des Verbrechens zu groß, die ganze Thematik Pädophilie zu heikel.

Tatort: Déjà-vu; Foto: MDR/Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato

René Zernitz lockt den kleinen Oskar mit einer Drohne. 

MDR/Wiedemann & Berg/Daniela Incoronato

Hexenjagd auf Kinderschänder

Wir Zuschauer erfahren zwar sehr schnell, wer der wirkliche Mörder ist – ein in sich gekehrter junger Mann, beeindruckend behutsam gespielt von Benjamin Lillie, aber das macht nichts. Selbst der Ausgang der Geschichte ist erwartbar, macht aber auch nix.

Die zusätzliche Dramatik des Falls spielt woanders: Ein unschuldig verdächtigter homosexueller Schwimmlehrer wird in einer Hexenjagd verfolgt, zusammengeschlagen und als Kinderschänder gebrandmarkt – und sein Leben damit zerstört.

In diesem Film drehen alle durch, es wird viel geschrien und geweint. Es ist genau diese Dünnhäutigkeit aller Beteiligten, die unter die Haut geht, dieses Fiebrige und Nervöse, das auch durch die eindringliche Filmmusik der Kölner Produzenten Dürbeck und Dolmen aufgenommen wird.

Für mich der bisher beste Fall der Dresdner Truppe. Von mir gibt’s vier von fünf Elchen.

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Peter Knetsch
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SWR3