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Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
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Im Jahr 2010 wurde die Bankiersfrau Maria Bögerl in Heidenheim entführt und ermordet. Ein Jahr später tötet sich ihr Ehemann selbst. Dieses reale Familiendrama war der Anstoß für „Der Fall Holdt“. Aber kann solch ein Drama tatsächlich der Impuls für einen Fernsehkrimi sein?

Meine ganz persönliche Ansicht: Nein, das ging schief. Auch, weil Charlotte Lindholm zusätzlich ihr ganz eigenes Trauma bewältigen muss. Eine solche reale Tragödie taugt nicht als Rahmenhandlung für das fiktive Scheitern und Leiden einer Fernseh-Kommissarin.

Der Tatort kriegt die Kurve nicht

Die Bankiersgattin im Film mit Namen Holdt wird entführt. Der Ehemann übergibt das Geld, ein Lebenszeichen seiner Frau bleibt aus. Bis dahin hat die Geschichte Spannung und die Chance sich zu etwas Eigenem zu entwickeln, was nicht zu eng an der Vorlage klebt. Der Fall Bögerl als Anstoß – okay. Die Fehler, die die Polizei damals gemacht hat, macht sie im Film erneut. Aber manche biegt Kommissarin Lindholm im Hannover-Tatort jetzt im Alleingang wieder hin.

Charlotte Linholm (Maria Furtwängler); Frank Holdt (Aljoscha Stadelmann); Foto: NDR/Marion von der Mehden

Charlotte Linholm (Maria Furtwängler) fühlt Frank Holdt (Aljoscha Stadelmann) auf den Zahn.

NDR/Marion von der Mehden

Die Leiche der Bankiersgattin wird gefunden. Der Ehemann gerät unter Verdacht, weil der Schwiegervater dezent darauf hinweist, dass er über seine Verhältnisse gelebt hat. Einen Tag vor der Entführung hat Herr Holdt schon mit den Entführern telefoniert, findet Kommissarin Lindholm raus. Alles Quatsch – stellt sich später raus. Das war lediglich ein Fehler in der Telefonsoftware. Zudem soll er seine Frau überwacht und geschlagen haben. Seine Gattin wiederum hatte ein Verhältnis mit dem Reitlehrer. Und als Zuschauer darf man sich jetzt aussuchen, was ist Wahrheit, was ist Dichtung? Ja, wir können gerne noch ein paar Gerüchte mehr streuen, es gab ja damals und bis heute noch nicht genug davon.

Das ist nicht okay!

Sie erinnern sich vielleicht auch an den umstrittenen Fernsehauftritt der Bögerls damals. Als man sie in all ihrer Verzweiflung bloßstellte und sie mit vor Schmerz verzerrten Gesichtern an die Entführer appellieren ließ? Man ist auch nicht davor zurückgeschreckt, diesen Aufruf in leicht abgeänderter Besetzung zumindest optisch zu kopieren. Das hat mich unangenehm berührt.

Dabei leidet doch laut Drehbuch vor allem eine bei diesem Fall. Kommissarin Charlotte Lindholm. Aber das macht sie leider noch nicht einmal überzeugend. Mein wirklich ganz persönliches Fazit: Allein Aljoscha Stadelmann als Ehemann hat sich in Der Fall Holdt einen Elch verdient.

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Brigitte Egelhaaf
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