Autor
Peter Knetsch
Peter Knetsch; Foto: SWR3
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Die beiden Dinos waren am Start. Das Kölner Tatort-Team Max Ballauf und Freddy Schenk mussten in der Folge Familien den Tod eines jungen Mannes aufklären, der die Kommissare aber zu einem ganz anderen Verbrechen führte. Der Tatort ist eine Wiederholung vom Mai 2018.

Ivo ist total besoffen. Es war sein Junggesellenabend. Frühmorgens torkelt er nach Hause, findet zufällig in einem Mülleimer eine Tasche mit einer halben Million… und wird eine Minute später vorsätzlich überfahren. Tot. Zur falschen Zeit am falschen Ort, das Zufallsopfer einer Entführungsgeschichte. Wir Zuschauer ahnen das längst und Kommissar Ballauf folgert messerscharf, dass Ivo wohl der Kollateralschaden einer gescheiterten Geldübergabe war.

Szenenbilder aus Tatort - Familien; Foto: WDR/Thomas Kost

Junggesellen-Abschied: Ivo Klein hat mit seinen Kumpels die Nacht durchgefeiert und macht sich am frühen Morgen auf den Heimweg.

WDR/Thomas Kost

Der eigentliche Fall hat was mit der verschwundenen 19-jährigen Charlotte zu tun. Hübsch, intelligent, Jahrgangsbeste. Befreundet mit Kaspar, der nicht ganz so toll ist und mit seiner alkoholkranken Mutter zusammenlebt. Da wir den Titel des Tatorts – Familien – kennen, ist eigentlich klar, dass da in beiden Familien was nicht stimmt.

Die Kommissare müssen sich das mühsam erarbeiten, und „klopfen erstmal das familiäre Umfeld ab“. Und wer hätte es gedacht: Ja, das Umfeld der Familien ist wichtig und der ganze Fall hat viel mit uralten Familien-Geschichten zu tun.

Uralt-Floskel-Alarm im Tatort

Leider sind die Formen der Ermittlungen noch älter, fast jeder Satz wurde wahrscheinlich schon von Polizisten im Neandertal gesprochen. Da fragt Ballauf zum Beispiel: „Warum haben Sie denn die Polizei nicht eingeschaltet?“ Oder: „Wieso haben Sie Ihrem Sohn ein falsches Alibi gegeben?“ Bis hin zu: „Fangschaltung steht. Bin gespannt, wann sich der Erpresser meldet.“

Hallo? Hat das eigentlich schon jemals geklappt mit so einer Fangschaltung? Auch der ständig vor sich hin schmatzende Assistent Jütte sagt den Satz, den alle überarbeiteten Kriminal-Assistenten vor ihm schon gesagt haben: „Klar, ich stell mir am besten ein Feldbett auf!“

Eher klassische Familientragödie als Krimi

Fossile-Worthülsen aus der Tatort-Steinzeit hat aber auch die Opferseite drauf. „Ich möchte wissen, wer ihm das angetan hat!“ Ja, das wollen wir alle. Das ist halt so bei einem Krimi. Auch bei einem, der eigentlich eine klassische Familientragödie ist. Geschenkt. Auch die gutgemeinten kleinen Auflockerungsübungen zwischen Ballauf und Schenk über vergessene Hochzeitstage machen den Film nicht unbedingt aufregender.

Dieser Tatort wirkt sehr bemüht

Insgesamt wirkt die Folge auf mich sehr bemüht. Bemüht um Spannung, leichtere Momente und eine schlüssige, nachvollziehbare Story. Für mich leider in keiner Kategorie mit viel Erfolg. Nur einen Elch von fünf.

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Peter Knetsch
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SWR3