Autor
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer; Foto: SWR3
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So skurril und spannend zugleich war ein Tatort selten: Ein Berlinale Film verrät den Kommissaren, wer der Mörder ist – und wie sie ihn finden.

Ein ganz normaler Tag in Berlin. Abgesehen von diesem kleinen, abgetrennten Finger, der plötzlich bei der Polizei landet. Der führt die Kommissare Rubin und Karow in ein 24-Stunden-Lagerhaus. Dort wird seit sehr langer Zeit eine junge Frau unbemerkt aufbewahrt. Sie wurde ermordet – genauer gesagt: ertränkt. Angemietet wurde das Haus von einer Filmgesellschaft, die nur einen Film gemacht hat. Der hat es allerdings in sich.

Film und Realität verschmelzen zu einer Geschichte

Der Film erzählt nicht nur, wie es zu dem echten Mord gekommen ist, sondern sogar, wer der Mörder ist. Auf den ersten Blick, wirkt das nach einem entspannten Job für das Ermittlerteam. Sie müssten ja nur bis zur Aufklärung im Film vorspulen. Der Mörder ist auch tatsächlich schnell gefunden, ein Ex-Geheimdienstmitarbeiter. Aber auch der ist dummerweise schon tot.

Rubin und Karow (Meret Becker und Mark Waschke); Foto: rbb/Reiner Bajo

Rubin und Karow überlegen in das Haus der Mutter des Drehbuchautors Koteas zu gehen, um belastendes Material zu sichern.

rbb/Reiner Bajo

Nach und nach finden die Ermittler sich in einer Verschwörungstheorie wieder. Der Film klärt nämlich nicht nur den Mord selber auf, sondern erzählt gleichzeitig auch die Geschichte der beiden echten Kommissare – aber wie kann das sein? Erleben Rubin und Karow wirklich alles genau so wie im Film? Das wäre kein gutes Omen für das Ermittlerteam. Im Film geht's den Ermittlern nämlich an den Kragen.

Kommissar Karow recherchiert Tag und Nacht – ist vollkommen übermüdet. Seine Kollegin Rubin ist von diesen Theorien wenig begeistert. Sie glaubt nicht an die Parallelwelt. Es bleibt unklar, wer am Ende Recht hat.

Spannend: Von der ersten bis zur letzten Szene

Alleine vom nochmal Erzählen bekomme ich wieder Gänsehaut. Dem Berliner Tatort gelingt – in jeder einzelnen der 90 Minuten – eine überraschende, spannende Geschichte. Es gibt keine langweiligen Passagen, keine komischen Verwirrspiele mit zu vielen Namen und Verdächtigen, die der Zuschauer nicht mehr kapiert.

Der Tatort erinnert an einen Hollywood-Film

Mutig ist dieses Film-im-Film-Vorgehen übrigens auch, denn das vergleichsweise junge Tatort-Team aus Berlin wagt sich mit diesem Experiment auf dünnes Eis. Stellenweise erinnert der Tatort an den Hollywood-Film Inception, ein Meisterwerk, das in verschiedenen Parallelwelten funktioniert.

Der Tatort schafft es, diese komplexe Erzählstrukur trotzdem geradlinig in das Gewand Tatort zu verpacken. Das ist schon deshalb erwähnenswert, weil sie den Zuschauer immer auf Augenhöhe mitnehmen. Respekt für so viel Mut! Das hätte auch schief gehen können.

Meta ist einer dieser außergewöhnlichen Tatort-Experimente, die tatsächlich mal gelungen sind. Für mich zählt Meta jetzt schon zu den bemerkenswertesten Tatorten 2018.

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Stefan Scheurer
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