Autor
Stefan Scheurer
Stefan Scheurer; Foto: SWR3
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Dort hinten, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, da kann es ganz schön düster sein. Das zeigt der neue Tatort, der im hinterletzten Schwarzwald-Tal ein Familiendrama zeigt. Alles Bio oder was?

Trügerisches Familienidyll im Schwarzwald

Eigentlich ist es ein richtig schönes Familien-Idyll: Mitten im Nirgendwo. Dort, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Genauer gesagt, im Hochschwarzwald sorgt eine Familie seit Generationen dafür, dass glückliche Äpfel und Kartoffeln wachsen – ganz Öko, ganz nach uralter Tradition.

Alles ist schön, wäre da nicht die Tochter Sonnhild, die eines Nachts im Sterben liegt. An ihrer Seite: der Ehemann. Der hat offenbar noch eine Rechnung mit ihr zu begleichen: „Warum hast Du nur alles kaputt gemacht?“ Das ist die letzte Frage, die Sonnhild in ihrem Leben hört.

Mechthild (Janina Fautz) und Torsten (David Zimmerschied); Foto: SWR/Benoît Linder

Mit einer Mischung aus Verführung und verkappter Drohung hält Torsten die junge Mechthild zum Schweigen an.

SWR/Benoît Linder

Da ist wohl jemand sauer. Merkwürdig ist auch, dass die Eltern den Tod der Tochter einfach so hinnehmen. Das denken jedenfalls die Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg.

Der K(r)ampf mit der Technik

Der Fall ist kniffliger als gedacht, denn es gibt kein Internet und ein Smartphone würde auch niemandem etwas nutzen. Da Handyempfang im Schwarzwald eher Mangelware ist (liebe Grüße an die deutschen Netzbetreiber an dieser Stelle).

Eine Familie von Öko-Rassisten

Mehr und mehr kommt die wahre Natur der Familie ans Licht. Sie mögen nicht nur reinrassige Äpfel und Kartoffeln, sondern auch reinrassiges, deutsches Blut. Die Beerdigung der Tochter Sonnhild erinnert stark an eine Veranstaltung des Ku-Klux-Klan.

Das ist echt harter Tobak. Dieser Tatort geht für niemanden so richtig glücklich aus. Jeder ist misstrauisch und von den anderen enttäuscht, in dieser arisch-rassistischen Nazi-Klamotte.

Fazit: Der Freiburger Tatort – Empfehlenswert

Den Tatort aus Freiburg kann ich schon weiterempfehlen. Schön gespielt, die Geschichte ist wirklich okay und beleuchtet doch ein sehr spannendes Milieu – Wer öko is(s)t, muss also nicht zwangsweise auch ein guter Mensch sein. Ein echtes Highlight oder eine Überraschung am Ende fehlt diesem Tatort allerdings. Und vielleicht hier und da ein vorsichtiger Witz? Nein? Schade. So bleibt eine gedrückte
Stimmung beim Zuschauen. Durchschnitt: 3 von 5 Elchen.

P.S.: Sorgt endlich mal für einen gescheiten Handy-Empfang im Schwarzwald, dann passiert sowas Hinterwäldlerisches auch nicht.

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Stefan Scheurer
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SWR3