Autor
Michael Haas
Michael Haas; Foto: SWR3
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Die neue Tatort-Saison geht mit dem Team aus Österreich los. Moritz Eisner und Bibi Fellner ermitteln in der Steiermark. Ein Afrikaner wird dort tot im Steinbruch gefunden. Ein spannender Krimi, der den Zuschauer an seine Grenzen bringt.

Der Tatort beginnt profan in einer Turnhalle beim Polizeisport. Moritz Eisner und Bibi Fellner im Ringkampf auf dem Boden. Noch ist der Tatort gespickt mit lustigen Bemerkungen wie: „Bei ihren Laktatwerten ist es ein Wunder, dass sie nicht unter der Last ihres Handtuchs zusammenbrechen“.

Unfall oder Verbrechen?

Doch kurze Zeit später gewinnt die Geschichte dann an Ernsthaftigkeit: In einem Steinbruch wird die Leiche eines Afrikaners gefunden. Unfall oder Verbrechen? Eine Sprengung im Steinbruch sollte die Frage erst gar nicht aufkommen lassen und die Leiche unter meterhohem Geröll begraben. Doch die Sprengung findet nicht statt, und schließlich findet der oft bemühte Hund die Leiche. Wie sich herausstellt, gibt es in der Nähe eine Art Flüchtlingscamp, wo viele Afrikaner untergekommen sind. Geleitet wird es von einem österreichischen Arzt, der selbst schon in Afrika gearbeitet hat. Frustriert und ernüchtert kam er vor Jahren zurück in seine Heimat und errichtete den Flüchtlingshof, wo viele Afrikaner ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben.

Bildergalerie Tatort: Virus; Foto: ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert Mican
ARD Degeto/ORF/Epo Film/Hubert Mican

Bricht eine tödliche Seuche aus?

Kommissarin Fellner findet es gut, dass der Arzt den Menschen hilft, und so gewinnt der Tatort ab jetzt immer mehr an Haltung und auch an Tiefe. Er verzichtet ab jetzt auch auf Albernheiten, und wird bitterernst und schockierend real. Die Behörden fürchten den Ausbruch einer tödlichen Seuche und riegeln den kompletten Ort ab. Und weil jeder Zuschauer schon von der hoch ansteckenden Krankheit gehört hat, beschleicht einen die eigene Betroffenheit und die eigene Angst: Kann das auch bei uns passieren, in der Wirklichkeit, kann uns das alle treffen? Mit einem Kloß im Hals nehme ich den Tatort als sehr beklemmend wahr. Weil er so realistisch gemacht ist und die Gefahr so greifbar und einleuchtend. Und weil er mitreißend ist, auf seine ganz eigene Art.

Unheimlich und beängstigend

Für mich ist dieser Tatort ein ganz großer Wurf. Zum Schluss witzeln die Kommissare zum Glück wieder, sodass das Ende eher versöhnlich als bedrohlich ist, aber trotzdem: Dieser Tatort nimmt einen echt mit, ist unheimlich und beängstigend. Eine Story, die einen noch lange nach dem Film beschäftigt. Ich gebe volle Punktzahl: Fünf von fünf Elchen.

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Michael Haas
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SWR3