Autor
Peter Knetsch
Peter Knetsch; Foto: SWR3
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Zwei Frauen die um Hauptkommissar Stedefreund buhlen. Die Eine flirtet und die Andere will ein Kind von ihm. Einen Mordfall gibt es zwar auch, der rückt allerdings in den Hintergrund.

Und der beginnt dann auch noch sehr kleinteilig. Kommissarin Inga Lürsen findet zunächst nur einen verwesten Finger – weggeschmissen in einer Mülltonne.

Der dazugehörige, unappetitliche Restkörper taucht auch irgendwann auf. Er gehört einem Pharma-Manager. Aber eigentlich ist das alles gar nicht so wichtig – dieser Mord, der ganze Fall.

Im Vordergrund stehen zwei Frauen

Entscheidend sind vielmehr zwei „rote“ Frauen. Zum einen: Die rothaarige, sozial etwas gestörte BKA-Expertin Linda. Sie will gerade ihre Beziehung zu Kommissar Stedefreund vertiefen und möchte ein Kind von ihm. Zumindest hält sie die Idee für „vernünftig“. Nicht gerade die Form von Romantik und Liebe, die Stedefreund vorschwebt – trotzdem bleibt Linda für ihn faszinierend.

Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) und BKA-Kollegin Linda Selb (Luise Wolfram); Foto: Radio Bremen/Michael Ihle

Ist es doch mehr als nur eine flüchtige Beziehung zwischen Hauptkommissar Stedefreund und BKA-Kollegin Linda Selb? 

Radio Bremen/Michael Ihle

Die andere Frau zieht ebenfalls an Stedefreunds Testosteron-Strippen: Die sehr dekorative Maria Voss trägt ständig rote Kleider, ist Pharma-Referentin und eine Meisterin im Bullshit-Bingo für Coaching-Sprechblasen. „Ein Vielleicht ist ein Ja, von dem unser Kunde noch gar nichts weiß!“ Mit lasziv aufgeworfenen Lippen und Rehaugen schwirrt Maria durch diesen Tatort und schnell wird klar: Die hat auch einen an der Klatsche. Die offen zur Schau getragene Erotik ist nur Fassade, darunter ist sie extrem egomanisch, karrieresüchtig und willensstark.

Mehr Groschenroman als Krimi


Natürlich verbirgt sich hinter solchen Phrasen ein dunkles Geheimnis. Das soll faszinierend und charismatisch wirken – ich dagegen bin nach einer halben Stunde entnervt. Zu exaltiert, zu aufgesetzt, von allem zu viel. Vielleicht bin ich da als Mann zu eindimensional gestrickt: Zwei extrem komplizierte Frauen und ein Mordfall, von dem durch deren Präsenz nicht mehr viel übrig bleibt – da bin ich raus!

Zugegeben: Wie immer beim Bremer-Team ist der Film formal toll gemacht, da gibt’s beeindruckende Bild-Montagen und auch die Musik ist sehr passend. Aber für mich reicht das nur für zwei Elche.

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Peter Knetsch
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SWR3