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Brigitte Egelhaaf
Brigitte Egelhaaf; Foto: SWR3
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Selbstjustiz im Saarland. Ein Mann wird totgeprügelt von Menschen, die übers Netz aufgehetzt wurden. Der dritte Fall der Tatort-Kommissare Stellbrink/Marx aus dem Saarland ist nicht mehr so abgedreht, wie die ersten beiden Folgen.

Helfer oder Verdächtiger? ; Foto: SR / Manuela Meyer

Der ehrenamtliche Schwimmtrainer Sven Hasberger im Kreise seiner Jungs.

SR / Manuela Meyer

Sven Haasberger ist Schwimmtrainer, ehrenamtlich, seine Jungs lieben ihn, er bekommt einen Preis für sein Engagement und dann liegt Sven Haasberger plötzlich auf der Intensivstation. Nur Geräte halten ihn noch am Leben. Sven Haasberger wurde zusammengeschlagen, von Menschen, die sich vorher noch nie gesehen und im Netz verabredet haben. Zum letzten Endes tödlichen Flashmob, ohne erkennbares Motiv, ohne Verdächtige. In wenigen Minuten ist alles vorbei. Es gibt keinen einzigen Hinweis auf die Täter. Alle sind vermummt, tragen schwarze Jacken und tauchen schnell wie Ratten aus den kleinen Gassen der Stadt auf. Genauso schnell sind sie dort auch wieder verschwunden.

In Wahrheit ein Pädophiler?

Lagebesprechung ; Foto: SR / Manuela Meyer

Lagebesprechung: Marx, Chef Jordan, Stellbrink und Dubois.

SR / Manuela Meyer

Die Schläger, so stellt sich heraus, haben sich im Netz zur Lynchjustiz verabredet. Nach Hinweisen aus dem Netz, dass Sven Haasberger ein Pädophiler sei, einer der sich unter dem Pseudonym Adam an kleine Jungs ranmacht. Weil im Netz, zumindest in diesen Chatrooms, jeder unter einem Pseudonym unterwegs ist, weiß letzten Endes niemand mehr, wer hier mit wem gechattet hat. Wer ist gut, wer ist böse, wer hetzt hier wen auf gegen Adam. Und was, wenn hinter dem Pseudonym Adam gar nicht Sven Haasberger steckt?

Stellbrink wird selbst zur Zielscheibe

Während sich auch die Kommissare Stellbrink und Marx nicht einig sind, ob der Schwimmtrainer nun tatsächlich die kleinen Jungs angegrabscht hat, hat die Öffentlichkeit ihr Urteil längst gefällt. Kurz vor Schluss wird der Kommissar selbst zum Opfer eines prügelnden Flashmobs in einem Linienbus. Viel fehlt nicht und das Saarland hätte sich schon wieder einen neuen Kommissar suchen müssen. Was, so finde ich, schade gewesen wäre, denn ich mag Jens Stellbrink und vor allem Schauspieler David Striesow.

Besorgter Kommissar; Foto: SR / Manuela Meyer

Hauptkommissar Jens Stellbrink mit seinem Schützling Finn.

SR / Manuela Meyer

Immer noch zu abgedreht?

Klar ist er manchmal drollig und ja, wenn man auf Kommissare wie Til Schweiger steht, kann man mit so einem wenig anfangen, der Joga macht, anstatt rumzuballern. Ich glaube aber auch, dass Jens Stellbrink noch mehr kann, stattdessen sollte man den schwafelnden Leiter der Spurensicherung etwas eindampfen. Wem auch dieser Tatort aus dem Saarland immer noch zu abgedreht und weltfremd ist, kann sich ja mal selbst in einen Chat einloggen. Die Idee mit dem Lynch-Flashmob finde ich so genial wie beängstigend. Sicher, die Geschichte hat immer noch ihre Schwächen, aber alleine die Szene mit Stellbrink im Bus ist es wert, sich diesen Tatort bis zum Ende anzuschauen. Für „Adams Alptraum“ gibt’s von mir 3 von 5 Elchen.

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Brigitte Egelhaaf
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