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Peter Knetsch
Peter Knetsch; Foto: SWR3
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Der erste Fall für die Tatort-Ermittlerinnen Gorniak und Sieland aus Dresden: ein erschlagener Schlagersänger und einige, die von dessen Tod profitieren. Gewaltorgie und Sprüche-Klopperei inklusive. Der Tatort ist eine Wiederholung vom März 2016.

Eine Dirndlträgerin auf der Freiluftbühne vor dem Dresdner Zwinger und ein Toter. Oh Mann – der erste Dresden-Tatort und dann gleich ein Mord im Volksmusik-Milieu. Geht's noch ein bisschen deutschtümelnder?

Die gute alte Zeit

Vielleicht ist das auch nur ein raffiniertes Spiel mit den gängigen Sachsen-Klischees. Die werden allerdings schnell zum roten Faden. Da gibt's zum Beispiel die Karikatur eines Volksmusik-Fans, immer wieder Menschen, die sich nach der guten alten DDR-Zeit zurücksehnen und den ewig gestrigen Chef, der was gegen Frauen als Kommissarinnen hat.

Szenenbilder aus  „Auf einen Schlag“; Foto: MDR/Andreas Wünschir

Eine Leiche im Dresdner Zwinger. Die neuen Kommissarinnen suchen nach den ersten Indizien. Das Opfer: Toni Derlinger vom Volksmusikduo „Toni & Tina“.

MDR/Andreas Wünschir

Schlagfertigkeits-Schlachten rund ums Thema Emanzipation

Ach ja – die Frauen-Männer-Nummer. Eigentlich hatte sich der Dresden-Tatort eine Kulturrevolution vorgenommen: Das erste rein weibliche Ermittler-Team, ausgestattet mit – es geht offenbar nicht anders – reichlich Privatproblemen. Henni Sieland will Mutter werden, aber mit der Befruchtung klappt es nicht, Karin Gorniak ist Mutter, aber mit der Erziehung klappt es nicht. Diese gewollte Frauen-Power-Nummer reicht aber offenbar noch nicht als Tatort-Alleinstellungsmerkmal. Die beiden müssen sich ständig Schlagfertigkeits-Schlachten rund ums Thema Emanzipation liefern.

Man möchte rein rufen „Willkommen im 21. Jahrhundert!“, als müssten sich moderne Frauen in ihrem Job ständig mit Sprüche-Klopperei über Wasser halten. Das nervt, denn die beiden Hauptdarstellerinnen Alwara Höfels und Karin Hanczweski sind eigentlich so präsent und stark – die müssen nicht mit Wortwitzigkeit aufgehübscht werden.

Gewaltorgie in Dresden

Das ist alles nicht dramatisch und lässt sich beim zweiten Fall der beiden abstellen. Viel schlimmer finde ich, dass dieser über 70 Minuten biedere Vorabend-Krimi in einer Gewaltorgie mündet, die weder zu der Story noch zu den gerade eingeführten Figuren passt. 

Unterm Strich geht da einfach noch viel zu wenig zusammen beim Dresdner Tatort-Team.